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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXX. Vorlesung.

dies bei voller Überlegung und bei gesundem Verstände aus puremÜbermute. Nachdem sie dem auflodernden Feuer einige Zeit zu-geschaut hatte, ging sie fort, kehrte aber wieder zurück. Dann über-kam sieeine Unsicherheit, ein Gefühl, als sei sie entdeckt, alsschaue alles nach ihr, und deswegen erzählte sie ungefragt, sie seibei der Brandlegung zugegen gewesen und kenne den Täter. Zu-gleich erkundigte sie sich, ob aus ihrer Wohnung keine Nachrichtgekommen sei. Die Nachforschung ergab, daß sie sich unter falschemNamen eingemietet und ihr Zimmer vor zwei Tagen nach Bezahlungihrer Schuld und unter Zurücklassung ihrer Habseligkeiten ver-lassen hatte. Als sie an der Straßenecke längere Zeit stehen bliebund zum Fenster zurückblickte, bemerkte ihre Wirtin, daß sie dasBett mit Hilfe einer Stearinkerze in Brand gesteckt hatte.Weshalbich diesen Brand anlegte, weiß ich eigentlich selbst nicht, meintesie;die Leute hatten mir keine Veranlassung zur Zufügung einesSchadens gegeben. Sie wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt,da man die Frage nach dem Bestehen einer strafausschließendenGeistesstörung nicht zu bejahen vermochte.

Die nächste Brandstiftung erfolgte 4 Jahre später im Zuchthause.Nachts 3 Uhr brach in einem Vorratsraume, in dem die Kranke be-schäftigt gewesen war, Feuer aus. Sie selbst fiel dadurch auf, daßsie sehr unruhig war und nachts angekleidet auf dem Bette saß.Auf eindringliches Befragen gestand sie.Ich sah die glühendenKohlen im Herd; der Gedanke an eine Brandstiftung tauchte inmir auf; ich konnte nicht widerstehen und nahm zugleich mit demWasser auch drei glühende Kohlen auf einem alten Scherben mitin die Kammer. Dort warf ich sie in den hintersten, mit Lumpengefüllten Kübel und stellte drei bis vier andere leere Kübel darauf.Ein Motiv zu meiner Tat kann ich nicht angeben.Ich konntemich im Augenblick.der Gelegenheit nicht mehr halten; es war mir,als triebe eine unsichtbare Gewalt dazu, die Tat zu begehen. Mögemir Gott helfen. Späterhin widerrief sie dieses Geständnis undwill auch jetzt nichts mehr davon wissen. Sie machte noch einenschwächlichen Selbstmordversuch durch Verletzung des Hand-gelenks mit einer Schere, wurde aber wiederum zu 5 Jahren Zucht-haus verurteilt.

Etwas über ein Jahr war sie nunmehr in Freiheit und dientebei einem Wirte. Dann geriet sie mit der Hausfrau in Streit und