Krankhafte Persönlichkeiten.
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die alten Zwistigkeiten von neuem an, bis endlich der Antrag aufEntmündigung, der wieder eine Reihe widersprechender Gutachtenhervorgerufen hatte, den Anstoß zu einer nochmaligen Beobachtungdes Kranken bei uns lieferte.
Alle diese Ausführungen hat der mittelgroße, schlecht genährte,stark gealtert aussehende Mann ohne ein Zeichen innerer Anteil-nahme mit angehört. Die Gesichtszüge sind faltig, die Kiefer fastzahnlos; die großen Ohren stehen vom Kopfe weit ab; die Ohr-läppchen sind angewachsen. Die rechte Pupille ist weiter als dielinke, das Sehvermögen etwas herabgesetzt. Die Blutgefäße an Ar-men und Schläfen sind geschlängelt und hart; sonst ist außer einemunbedeutenden doppelseitigen Leistenbruche keine körperlicheVeränderung zu erwähnen. Der Schlaf hat keine Störung erkennenlassen; das Körpergewicht hat sich seit seinem früheren Aufenthaltebei uns gehoben.
Ziehen wir nunmehr den Kranken selbst ins Gespräch, so er-gibt sich, daß er besonnen, klar und geordnet ist. Er läßt sich aberzu eingehenderen Antworten erst drängen, erscheint schlaff undverdrossen, gibt wortkarge, ausweichende und unbestimmte Aus-kunft. Erst nach und nach gerät er etwas mehr in Eifer. Dabei zeigtsich, daß er an seine zahlreichen Streitfälle eine ganz gute Erinne-rung besitzt und seine Verteidigung vielfach mit denselben Wen-dungen führt wie in den Akten. Allerdings gibt er oft an, sich dieseroder jener Angelegenheit durchaus nicht mehr zu erinnern, da seinGedächtnis so schlecht geworden sei; „wenn manchmal was vor-kommt, daweiß ich’s manchmalnicht recht mehr.“ Meist läßt sich je-doch durch vorsichtiges Ausfragen auf Umwegen dartun, daß er ganzgut weiß, um was es sich handelte. Dagegen sind seine Kenntnisseder Zeitereignisse und aller Dinge, die außerhalb des engsten bäuer-lichen Gesichtskreises liegen, ungemein dürftig; auch das Rechnenwird ihm schwer, führt aber doch meist zum richtigen Ergebnis.Bei den Wahlen hat er so gestimmt, „wie der Herr Pfarrer es ange-ordnet hat“.
In seine Prozesse ist er ganz unschuldig hineingekommen. „Ichhab’ noch nie Unrecht gehabt.“ Immer waren es andere, die anseiner Verurteilung Schuld trugen. Alles sind „Lügereien, dummeGeschichten“; das Gericht war falsch berichtet; man hat ihn falschangezeigt. „Was einem doch für Sachen nachgeredet werden!“ Er