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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXIX. Vorlesung.

einfach angesteckt und das Mädchen, das auf weiteren Verdiensthoffte, für den nächsten Tag in ein vornehmes Hotel bestellt, woer jedoch nicht zu finden war. Bei seiner Verhaftung behaupteteer, die Dirne habe ihm den Ring geschenkt; er hatte ihn inzwischenverkauft. Im Untersuchungsgefängnisse machte er einen, nachMeinung des Arztes nicht ernst gemeinten Selbstmordversuch underkrankte dann an Anfällen mit Erregung und Krämpfen, die denAnlaß zur Verbringung in unsere Klinik gaben.

Der etwas blasse, schlecht genährte, glatt rasierte Mann, dermit einer gewissen verlumpten Sorgfalt gekleidet ist, bietet inseinem Äußeren wie in seinem ganzen Auftreten vollkommen dasBild eines heruntergekommenen Schauspielers dar. Er spricht un-gemein gewandt und viel, bewegt sich in klingenden, hochtrabendenWendungen, Kunstausdrücken aller Art und überschüttet uns miteiner Reihe verblüffendster Enthüllungen aus seinem Leben. DasGymnasium hat er mit 16 Jahren durchgemacht, ging zunächst zurMarine, studierte dann in Chicago, ferner in Straßburg und LeipzigMedizin, bestand das Physikum in Würzburg. Darauf wurde erSchauspieler, wurde nacheinander Kutscher, Kellner, Goldgräberin Südafrika, Straßenkehrer in New York. Dort lernte ihn einrussischer Edelmann kennen, der ihn mit sich auf sein Gut nachRußland nahm. Er lernte die russische Sprache und ging als Dol-metscher nach Teheran. Die Liebe zur Kunst trieb ihn jedochwieder auf die Bühne. Er spielte in Rußland, kam dann nachBrüssel, wo er in der Not Kofferträger wurde und als solcher dieBekanntschaft von Coquelin machte, der ihn für das Theätrefran§ais verpflichtete und ihn auf seine große Kunstreise nach Ost-asien mitnahm. Später spielte er auf allen möglichen hervor-ragenden Bühnen, stets erste Rollen, heiratete eine Frau aus guterFamilie, ein engelreines Wesen, das ihm 4 Kinder schenkte, diesämtlich binnen kurzer Zeit starben.

Bei der Schilderung seines unaussprechlich glücklichen Fami-lienlebens gerät der Kranke in die hochgradigste Rührung, be-jammert sein Schicksal, malt sich aus, wie schrecklich es sei, wennsein alter Vater, seine unvergeßliche Mutter etwas von seinerjetzigen Lage erführen. Seine Straftat war ein sehr harmloserVorgang. Er wollte mit dem Ringe nur ein wenig glänzen, dachtegar nicht daran, ihn zu behalten, war nur durch die Not gezwungen,