Krankhafte Persönlichkeiten.
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daß sie ihre tiefsten Wurzeln in Vorgängen haben, denen wir auchim gesunden Leben begegnen. Überall, wo wir die Grenze zwi-schen geistiger Gesundheit und Krankheit zu ziehen versuchen,stoßen wir daher auf ein Zwischengebiet, auf dem sich ganz un-merklich der Übergang aus dem Bereiche der Norm in dasjenigeder ausgeprägten Störung vollzieht. Ganz besonders macht sichdie Schwierigkeit der Abgrenzung geltend, sobald wir es mit ange-borenen abnormen Zuständen und nicht mit eigentlichen Krank-heitsvorgängen zu tun haben, bei denen der Vergleich mit demVerhalten in gesunden Tagen die Beurteilung erleichtert.
Der Maßstab, der uns bei der Kennzeichnung der krankhaftenZüge im Seelenleben eines Menschen zu Gebote steht, ist seineAbweichung vom Durchschnitte im Sinne der Zweckwidrigkeit.Schon der Umstand, daß gewisse Eigenschaften je nach Zeit undUmständen eine sehr verschiedene Wertschätzung für die allge-meinen Lebenszwecke erfahren können, muß das Urteil schwankenlassen. Dazu kommt aber weiterhin die Erfahrung, daß sich dieAbweichungen von der Breite des Alltäglichen natürlich nicht aufalle Seiten des Seelenlebens gleichzeitig und gleichmäßig erstrecken.Vielmehr finden wir auf dem weiten Gebiete der krankhaften Per-sönlichkeiten, wie sie durch den Vorgang der Entartung erzeugtwerden, alle nur denkbaren Mischungen von Unzulänglichkeit undVerkehrtheit mit gesunder, ja sogar hervorragender Veranlagung.Diese Mannigfaltigkeit ist insofern noch bunter, als diejenige dergesunden Persönlichkeiten, weil die Größe und die Verschieden-heit der krankhaften Abweichungen einen weiteren Spielraum be-sitzen. Indessen gelangt aus naheliegenden Gründen nur einbeschränkter Teil der entarteten Persönlichkeiten in die Händedes Irrenarztes; namentlich geschieht das bei gesetzwidrigen Hand-lungen, die eine richterliche Entscheidung über den Geisteszustanddes Täters erforderlich machen. Viele vermögen den Kampf umsDasein mit Hilfe ihrer gesunden Eigenschaften noch leidlich durch-zuführen, wenn sie sich auch von dem großen Haufen der Durch-schnittsmenschen als Sonderlinge und auffallende Persönlichkeitenabheben; viele gehen an ihrer unzweckmäßigen Veranlagung zu-grunde, je nach dem Laufe der Dinge bemitleidet, verachtet oderverabscheut.
Um aus der schier unübersehbaren Vielgestaltigkeit der entar-