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XXVII. Vorlesung.
rung, doch ist sein Puls während der Untersuchung auf 120 Schlägegestiegen, ein Zeichen großer gemütlicher Erregbarkeit. In derTat war der Kranke, als er hierher kommen sollte, in lebhafterAufregung, sank auf das Bett nieder und meinte, die Besprechungin der Klinik werde ihm das Leben kosten. Er bat, sich schonvor Beginn der Stunde in den Saal setzen zu dürfen, um die Zu-hörer allmählich kommen zu sehen, da er nicht so plötzlich vielenMenschen gegenübertreten könne.
Der Kranke ist völlig besonnen, klar, geordnet in seinen An-gaben. Er erzählt uns, daß eine seiner Schwestern ähnlich leidewie er selbst. Die Entstehung seiner Krankheit führt er auf etwa11 Jahre zurück. Da er sehr begabt war, wurde er Lehrer undmußte viel geistig arbeiten, um seine Prüfungen zu bestehen. All-mählich stieg in ihm die Befürchtung auf, daß er ein schweresLeiden habe und am Herzschlag sterben müsse. Alle ärztlichenVersicherungen und Untersuchungen konnten ihn nicht beruhigen.Daher kam er vor 7 Jahren eines Tages plötzlich aus seinerStellung nach Hause, weil er fürchtete, rasch zu sterben. Späterbefragte er alle möglichen Ärzte, nahm wiederholt längeren Urlaub,erholte sich auch immer etwas, doch kehrten die Befürchtungenjeweils sehr bald wieder. Nach und nach gesellte sich die Scheuvor Menschenansammlungen hinzu; auch konnte er nicht alleinüber große Plätze oder durch weite Straßen gehen. Ferner ver-mied er aus Angst vor Zusammenstößen und Entgleisungen, dieEisenbahnen zu benutzen, wollte nicht in einem Kahne fahren,weil er Umschlägen könnte. Auf Brücken, beim Schlittschuhlaufenbefiel ihn Angst; schließlich war es die Angst vor der Angst selbst,die ihm bei den verschiedensten Gelegenheiten sofort Herzklopfenund Beklemmungen verursachte. Auch nach seiner Verheiratungvor 3 Jahren wurde es nicht besser. Er lebte häuslich, war verträg-lich und lenksam, aber „nur zu weich“. Auf dem Wege hierher,als er sich endlich entschlossen hatte, bei uns Besserung zu suchen,zitterte er vor Todesfurcht.
Der Kranke bezeichnet sich selbst als einen Hasenfuß, der beiguter geistiger Leistungsfähigkeit immer Angst vor allen möglichenKrankheiten gehabt habe, vor Schwindsucht, Herzschlag u. dergl.Er hat ein Verständnis für die Krankhaftigkeit dieser Besorgnisse,kann sich aber doch nicht davon frei machen. Auch während der