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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXVII. Vorlesung. Zwangsvorstellungen, Zwangsbefürchtungen. 287

gewissermaßen ans Tageslicht gezogen worden sei. Ohne Zweifelkönnen durch Unfälle auch hysterische Störungen ausgelöst werden.Dennoch scheint mir das soeben entwickelte Krankheitsbild nachEntstehungsweise, klinischer Ausprägung und Verlauf so wesent-lich von demjenigen der Hysterie abzuweichen, daß ich ein ein-faches Zusammenwerfen beider nicht für einen Fortschritt haltenkann. Vielmehr bin ich überzeugt, daß uns die genauere Kenntnisder auf psychischem Wege ausgelösten Störungen neben der eigent-lichen Hysterie, die durch die dauernde Neigung zu psychogenenKrankheitszeichen verschiedenster Art gekennzeichnet ist, zur Ab-trennung einer Reihe mehr oder weniger nahe verwandter Formenführen wird, bei denen sich die Entstehungsgeschichte der krank-haften Veränderungen wesentlich anders abspielen dürfte, als dort.

XXVII. Vorlesung.

Zwangsvorstellungen, Zwangsbefürchtungen.

M. H.! Mit der Betrachtung der Hysterie haben wir einGebiet krankhafter Seelenzustände betreten, in denen die eigen-artige Veranlagung der Persönlichkeit als die wahre Grund-lage des Leidens angesehen werden mußte. Dementsprechendhatten wir dort auch nicht mit einem eigentlichen Verlaufe derKrankheit zu rechnen, sondern mehr mit einer angeborenen,dauernden Veränderung des psychischen Verhaltens, welches dengünstigen Boden für die Entwicklung einer Reihe verschiedenartigerZwischenfälle abgibt. Von derhysterischen Veranlagung führennun alle möglichen Übergänge zu anderen Formen der krank-haften Persönlichkeiten, derdauernden psychopathischen Minder-wertigkeiten, wie Koch sie genannt hat, hinüber, von denen wireinige Beispiele näher ins Auge fassen wollen.

Sie sehen zunächst einen 31 jährigen Lehrer vor sich, der vor4 Wochen aus freien Stücken die Klinik aufgesucht hat, um sichhier behandeln zu lassen. Der schlank und hager gebaute Mannzeigt körperlich außer einer niedrigen Stirn, einer geringen Pupillen-differenz, lebhaften Kniesehnenreflexen keine bemerkenswerte Stö-