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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXVI. Vorlesung.

nimmt er ganz gleichgültig hin, verrät wenig Anteil an den Vor-gängen seiner Umgebung.

Die körperliche Untersuchung des Kranken zeigt uns eine nochfrische, nicht mit dem Knochen verwachsene Narbe am Rande derrechten Hinterhauptschuppe, ferner einige kleinere Narben an derSchläfe und am linken Scheitelbeine. Der Schädel ist asymmetrisch;die Gesichtszüge sind etwas schlaff. Von irgend welchen nervösenStörungen, die auf eine Herderkrankung hindeuten würden, istnichts nachzuweisen. Die Kniesehnenreflexe sind ziemlich lebhaft;auch die mechanische Muskelerregbarkeit ist gesteigert. Da dasGehör, namentlich links, beeinträchtigt erschien, ist auch ein ge-nauerer Ohrenbefund aufgenommen worden. Derselbe ergab zwardie Wahrscheinlichkeit einer doppelseitigen Labyrintherkrankung,doch kann dieselbe nach ohrenärztlicher Ansicht nicht mit dem er-littenen Sturze in Verbindung gebracht werden. Bei den verschie-denen körperlichen Prüfungen zeigte der Kranke eine auffallendeErmüdbarkeit.

Die Geistesstörung, die sich in dem vorliegenden Falle un-mittelbar an die Bewußtlosigkeit nach dem Sturze angeschlossenhat, zeichnet sich im wesentlichen aus durch eine Erschwerung derAuffassung und des Denkens, ferner durch die Erinnerungslückefür die Verletzung selbst, eine erhebliche Merkstörung und endlichdas Eintreten von Erinnerungsfälschungen an Stelle der geschädigtenwirklichen Erinnerungen. Merkwürdig ist dabei das Fehlen desKrankheitsgefühls. Wie ich glaube, dürfen wir diese Züge mit ziem-licher Sicherheit als kennzeichnend für die Geistesstörungen nachschweren Hirnerschütterungen betrachten, so daß also auchdas klinische Bild für den ursächlichen Zusammenhang zwischenSturz und Irresein sprechen würde. Da derartige Erkrankungen nacheiniger Zeit ohne deutliche Reste wieder verschwinden können, han-delt es sich dabei offenbar um Veränderungen in der Hirnrinde, dieder Rückbildung fähig sind, kleinere Blutungen und Zerreißungen,vielleicht auch um feinere Störungen des nervösen Gefüges. Auchin unserem Falle dürfen wir, da Herderscheinungen und Fieberfehlen, auf einen allmählichen Ausgleich der jetzt noch nachweis-baren Störungen hoffen*).

*) Der Kranke konnte nach 4wöchigem Aufenthalte, noch etwas schwer-