Druckschrift 
Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
Seite
263
Einzelbild herunterladen
 

Epileptischer Schwachsinn.

263

weiter zurückliegende Ereignisse. Über sein Leiden vermag erkaum nähere Auskunft zu geben. Von den eigentlichen Anfällenweiß er fast nur aus den Schilderungen seiner Umgebung, hataber auch darüber anscheinend nicht viel gefragt; außerdem be-richtet er über zeitweise auftretenden Schwindel mit Hitzegefühlim Kopfe, der immer einige Stunden daure. Der Kranke sprichtnicht viel, ist ziemlich gedankenarm und stumpf, in seinem Be-nehmen natürlich und unauffällig; er beschäftigt sich aus eigenemAntriebe regelmäßig. Sein Trinken sucht er als ganz harmloshinzustellen. Die alte Narbe an der rechten Stirnseite ist empfind-lich, ebenso in geringerem Grade auch die Umgebung; es gelingtjedoch nicht, durch Druck einen Anfall auszulösen.

Ob bei diesem Kranken die alte Kopfverletzung in irgend einerursächlichen Beziehung zu der Epilepsie steht, läßt sich nichtmit Bestimmtheit sagen. Bei der langen Zwischenzeit könnte einZusammenhang wohl nur unter der Annahme vermutet werden, daßetwa in der Zwischenzeit zunächst leichtere oder nächtliche, vondem Kranken und seiner Umgebung nicht bemerkte Anfälle aufge-treten seien. Es wäre auch denkbar, daß ein Anfall damals schondie Ursache und nicht die Folge des Sturzes gewesen ist, was tat-sächlich nicht ganz selten zutreffen dürfte, wo auf den ersten Blickdie Epilepsie durch eine Kopfverletzung verursacht zu sein scheint.Indessen hat hier noch eine andere wichtige Schädlichkeit einge-wirkt, der Alkohol. Daß derselbe schwere Krampfanfälle zuerzeugen vermag, ist zweifellos, doch muß es als sehr fraglichbezeichnet werden, ob diese Anfälle ohne weiteres mit der gewöhn-lichen Epilepsie zusammengeworfen werden dürfen. In ihrem kli-nischen Auftreten unterscheidet sich die sog.Alkoholepilepsievon den übrigen,genuinen Formen dadurch, daß dort immer nurKrämpfe auftreten, und zwar in der schwersten Gestalt, währenddie reiche Zahl andersartigerÄquivalente, die kleinen Anfälle,die Dämmerzustände, die Verstimmungen u. s. f., gar keine Rollespielen. Andererseits aber hat ohne Zweifel auch bei wirklicherEpilepsie derAlkohol regelmäßig eine verschlimmernde und aus-lösende Wirkung.

Auf Grund dieser Erfahrung werden wir im vorliegenden Fallemit seinen verschiedenartigen epileptischen Krankheitsäußerungenden Alkohol schwerlich für die einzige und wahre Ursache der