Altersblödsinn.
247
in großem. Umfange nervöses Rindengewebe zum mindesten beimkrankhaften Greisenschwachsinn zugrunde geht.
Eine ganz eigenartige Gestaltung des Altersblödsinns mag Sienunmehr eine 72 jährige Frau kennen lehren, die uns vor y 2 Jahrezugeführt wurde. Sie war früher geistig und körperlich immer ge-sund, heiratete mit 30 Jahren und gebar 4 Kinder, von denen noch2 leben. Über erbliche Veranlagung haben wir nichts erfahrenkönnen. Seit dem Tode ihres Mannes, der nach 7y 2 jähriger Eheerfolgte, hatte die Frau viele Sorgen. Eine stärkere Veränderungvollzog sich mit ihr jedoch erst seit etwa 1 Jahre, nachdem sie aller-dings schon einige Jahre vorher viel über Kopfschmerzen undSchwindel geklagt hatte. Die Kranke wurde allmählich vergeßlich,fand sich in der Zeit, ja in ihrem Hause nicht mehr zurecht, wußtenicht, ob sie schon gegessen habe, verkannte die Personen. IhreTochter hielt sie für ihre Schwester, sprach viel von ihren längstverstorbenen Eltern, als ob sie noch lebten. Zugleich machte sicheine gewisse Unruhe bemerkbar. Die Kranke wurde reizbar, ärger-lich, mißtrauisch, ging abends nicht ins Bett, stand früh vor Tages-anbruch wieder auf, kramte zwecklos herum, wollte fort, vermochtenicht mehr geordnet zu arbeiten, aß unregelmäßig.
Die Kranke ist klein, zeigt gebückte Haltung, runzlige Züge,weißes, noch ziemlich volles Haar. Ihr Ernährungszustand ist sehrmäßig; sonst bietet sie jedoch außer Zittern der Hände und Un-regelmäßigkeit des Herzschlags keine auffallenderen körperlichenStörungen dar. Sie faßt die an sie gerichteten Fragen richtig auf,wenn auch oft mit einer gewissen Mühe und erst bei Wiederho-lung. Aus ihren Antworten geht jedoch hervor, daß sie über Zeit,Ort und Umgebung völlig im unklaren ist. Sie glaubt, hier aufeiner Hochzeit zu sein; die Personen kommen ihr alle bekannt vor,aber sie weiß die Namen nicht anzugeben, klagt selbst darüber,daß sie so vergeßlich geworden sei. „Ich weiß mich in den Sachennicht so zu fassen“; sie stehe so allein und habe sich nicht so umdie Dinge gekümmert. Als Jahreszahl gibt sie bald ihr Geburts-jahr, bald irgend eine andere Zahl an, meint abwechselnd, sie sei30 oder 60 oder noch nicht 20 Jahre alt, ist über die Anrede „alteFrau“ sehr entrüstet. Die gröbsten Widersprüche in ihren Zeit-angaben kommen ihr gar nicht zum Bewußtsein. So behauptet sie,ihre Tochter sei 2 Jahre jünger als sie, ihr Vater sei 60 Jahre,