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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Verblödung bei gröberen Hirnerkrankungen.

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kalium zu helfen, leider ohne Erfolg. Die Kranke hat wohl hierund da noch ein einzelnes Wort über ihren gewöhnlichen Satzhinaus hervorgebracht oder sich ein wenig regsamer gezeigt; imganzen werden wir uns jedoch darauf gefaßt machen müssen, daßeine wesentliche Besserung dieses apoplektischen Blödsinnsnicht eintreten, vielmehr das Leiden durch neue Anfälle früheroder später noch weitere Fortschritte machen wird*).

Sehr viel schwieriger gestaltet sich die richtige Deutung desKrankheitsbildes bei dem kräftig gebauten, 45 Jahre alten Elektro-techniker, der nunmehr mit etwas müden, schwerfälligen Schrittenhereintritt. Der Kranke begrüßt uns, nimmt Platz, gibt über seinepersönlichen Verhältnisse zögernde, aber richtige Auskunft. Wirerfahren, daß er unehelich geboren, anfangs Laufbursche, späterSchlosser gewesen ist; über die Schicksale seiner Eltern und Ge-schwister vermag er keine näheren Angaben zu machen. Mit18 Jahren beteiligte er sich an einem Einbruchsdiebstahl und wurdezu 1 Jahr Gefängnis verurteilt; „es war eine richtige Lausbuberei;man hätte mir sollen den Hintern vollhauen.“ Vier Jahre späterheiratete er, ließ sich aber nach einigen Jahren wieder scheiden;„es war wie ein Hintertreppenroman, aber ich hab’s selber erlebt.“Zwei Kinder starben klein. Später gelang es ihm, in gut bezahlteStellen zu kommen; er arbeitete fleißig und war gesund bis vor3 Jahren, wo starke Kopfschmerzen auftraten, namentlich hinten.Dieselben kamen alle paar Tage, bald bei Tage, bald nachts; durchMigränin wurden sie rasch beseitigt, doch half das Mittel, an dassich der Kranke sehr gewöhnt hatte, zuletzt nicht mehr so gut. Kurzvor der Aufnahme hier, die vor 7 Monaten stattfand, wurde er.schlaflos, ging mehrmals ins Krankenhaus, blieb aber immer nurganz kurze Zeit dort. Ein Arzt, den er aufsuchte, erklärte ihm,daß Zucker im Harn sei. Einmal schlief er einen Tag und eineNacht hindurch, war nachher schwach auf den Beinen. Schließlichbrachte man ihn gegen seinen Willen hierher zu den Geisteskranken.Er habe fürchterliche Schmerzen und wisse, daß es mit ihm zu Endegehe. Tröstende Einwände wehrt er mit wehmütigem Lächeln ab;man solle ihm die Wahrheit sagen; die Ärzte wüßten ja ganz gut,wie es mit ihm stehe.

*) Die Kranke ist ein Jahr später in einer Pflegeanstalt gestorben.