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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXL Vorlesung. Endzustände der Dementia praecox.

und entwickelte nun eine Menge von Kenntnissen, die man ihmniemals zugetraut hätte. Sein Benehmen blieb aber läppisch, seineAntworten vielfach durchaus unsinnig. Zeitweise geriet er in Er-regung, spuckte plötzlich dem Arzte ins Gesicht, zerschlug eineScheibe, beruhigte sich meist sehr rasch, ohne über den Grundseiner Handlungen Auskunft geben zu können. Anscheinend hörteer zu solchen Zeiten auch Stimmen. Häufig zeigte erEcholalie; ein-mal machte er den Versuch, sich zu erdrosseln.

Nach 3 / 4 jährigem Aufenthalte in der Klinik kehrte der Krankenach Hause zurück, fing dort auch wieder an, zu arbeiten, war dabeisehr langsam. Er sprach wenig, war öfters reizbar. Vor fast einemJahre wurde er stärker erregt, ging viel ins Wirtshaus, warf Gegen-stände aus dem Fenster, schrie laut, er sei verhext, schien allerleiGesichts- und Gehörstäuschungen zu haben, und schlief fast garnicht mehr und mußte deshalb wieder zu uns gebracht werden.Hier war er besonnen, aber blöde und stumpf, erinnerte sich anseinen früheren Aufenthalt, ohne Einzelheiten angeben zu können,erzählte verworren, daß man ihn verfolgt und verhext habe. Wäh-rend er zumeist ganz teilnahmlos im Bette lag und sich unter derDecke versteckte, geriet er von Zeit zu Zeit in sehr heftige Erre-gung, zerstörte, rief zum Fenster hinaus, redete zusammenhang-los, wurde unrein, nahm sonderbare Stellungen ein, kletterte aufder Bettkante herum, warf die Bettstücke heraus, um den Drahtrostin die Höhe zu stellen, drohte mit Gewalttätigkeiten und beklagtesich, daß man ihm den Leib aufschneiden, die Kehle herausreißenwolle, anscheinend auf Grund von Stimmen. Nach wenigen Tagenberuhigte er sich wieder und versank in dasselbe blöde Nichtstunwie vorher. Auf körperlichem Gebiete war außer starker Dermato-graphie, mechanischer Erregbarkeit des Facialis und der Gedunsen-heit des Gesichtes keine Störung nachzuweisen; nur zeigte dasGewicht im Zusammenhänge mit den Erregungen ziemlich regel-mäßige Schwankungen*).

Das hier gezeichnete Bild kann Ihnen als Beispiel für zahlloseähnliche Fälle gelten, die allmähliche Verblödung nach ängstlicher

*) Der Kranke kam vor 5 Jahren in eine Pflegeanstalt, konnte von dagebessert entlassen werden, arbeitet jetzt zu Hause fleißig, spricht aber wenigund ist leicht aufgeregt.