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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XX. Vorlesung.

zum Ausdrucke, insofern sie ihm Gelegenheit gibt, sich im Beginneder Erkrankung stärkeren Schädlichkeiten auszusetzen, die den Ver-lauf der Krankheit ungünstig beeinflussen können. Namentlich al-koholische und geschlechtliche Ausschweifungen erweisen sich indieser Beziehung öfters verhängnisvoll. Daß auch in unserem Falledie Syphilis ihre ursächliche Rolle gespielt hat, wird durch die vor-aufgegangenen Aborte, vielleicht auch durch die Erkrankung desKindes recht wahrscheinlich. Meist allerdings ist der Nachweisdieser Ursache bei Frauen noch weit schwieriger, als bei Männern.

Die letzten, schweren Endzustände der Krankheit zeigt Ihnenendlich ein 50 jähriger Frachtbriefträger, den ich Ihnen im Bettevorführen muß, da er längst außerstande ist, zu gehen. Zudemliegt der Kranke seit gestern bewußtlos da, reagiert weder auf An-reden noch auf Nadelstiche. Der Kopf ist nach links hinübergedreht;auch die halbgeöffneten Augen stehen nach links und sind etwasnach oben gerollt. Die Pupillen sind weit und verengern sich nichtauf Lichteinfall. Die Gesichtszüge sind schlaff, eingesunken, dieLippen trocken, wie die Zunge mit leichten, bräunlichen Krustenbelegt. Die Atemluft zeigt einen halb fauligen, halb säuerlich-aro-matischen Geruch, wie er sich bei hungernden Geisteskranken ein-zustellen pflegt und auf Acetonbeimischung zurückzuführen ist. DieAtmung ist oberflächlich, langsam, der Puls klein und frequent, dieKörperwärme etwas erhöht. In den Gliedern, besonders auf derrechten Seite, bemerken Sie bei Beugungsversuchen deutliche Span-nung; die Kniesehnenreflexe sind trotzdem sehr ausgiebig. Wartenwir einige Zeit, so bemerken Sie, wie sich plötzlich die Augen ganznach links wenden; dann folgt eine ruckartige Bewegung des Kopfesnach links, der sich nach kurzer Pause schüttelnde Zuckungen desKopfes anschließen. Die Spannung in den Gliedern nimmt zu undentladet sich ebenfalls in leichten Zuckungen, die vorzugsweise dierechte Seite betreffen. Dieses ganze Spiel dauert nur wenige Minu-ten; dann liegt der Kranke wieder regungslos da.

Was Sie hiervor sich sehen, ist ein paralytischer Anfall.Er unterscheidet sich von einem epileptischen sofort durch die ver-hältnismäßig geringe Stärke der Krampferscheinungen bei tiefsterBewußtlosigkeit, namentlich aber durch die ungleichmäßige Betei-ligung der verschiedenen Muskelgebiete, wie sie dem Bilde derRindenepilepsie im Gegensätze zu den gewöhnlichen epileptischen