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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
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XIX. Vorlesung. Morphinismus; Kokainismus.

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nicht nurdie Anfälle meist in Form leichter, verhältnismäßig harm-loser Verstimmungen, sondern sie werden allmählich auch ent-schieden seltener. Während der Verstimmungen ist Bettruhe ammeisten zu empfehlen, unter Umständen eine größere Bromgabe.Unser Kranker hat sich wiederholt über einen beginnenden Anfalldadurch hinweggeholfen, daß er täglich 12gr Sulfonal oder Trio-nal nahm und dann so lange schlief, bis nach 12 Tagen jede Nei-gung zum Trinken verschwunden war*).

XIX. Vorlesung.Morphinismus; Kokainismus.

M. H.! Es wird gewiß keinen Arzt geben, der es nicht als ober-sten Grundsatz seiner Berufstätigkeit betrachtete, seinen Krankennicht zu schaden. Dennoch muß ich Sie heute mit einer leider nichtkleinen Gruppe von psychischen Störungen bekannt machen, diefast ausschließlich ärztlichen Kunstfehlern ihre Entstehung ver-danken. Sie sehen zunächst einen 44jährigen Landwirt vor sich,der vor 21 Jahren einen Schuß in die linke Hüfte erhaltenhat, durch den das Becken gestreift und anscheinend auch der Ischia-dicus etwas verletzt wurde. Im Anschlüsse daran traten im Ober-schenkel häufig reißende Schmerzen auf, die das Gehen sehr er-schwerten und eine Reihe von Badekuren nötig machten. Nach 5Jahren wurde die noch im Körper steckende Kugel herausgezogen,ohne daß die Schmerzen sich besserten.

Schon in der ersten Zeit waren dieselben mit Morphium be-kämpft worden, dessen Anwendung dann später dem Kranken selbstüberlassen wurde. Da er bei seinen Einspritzungen natürlich nichtnach den Regeln der Asepsis verfuhr, so bildeten sich bei ihm zahl-reiche Abscesse; er entschloß sich daher schon seit etwa 16 Jahren,

*) Der Kranke kommt alljährlich mehrmals für einige Zeit in die Klinik,bald vor dem Anfalle, bald während oder nach Ablauf desselben; er wurdein 11 Jahren 32mal aufgenommen.

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