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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Chronischer Alkoholismus.

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dreher, der uns vor wenigen Tagen aus dem Krankenhause zuge-führt wurde. Dorthin war er gekommen, weil er einen Hausfriedens-bruch dadurch verübte, daß er sich in die Wohnung seinerSchwiegermutter durch Zerschlagen einer Glastür gewaltsam Ein-gang verschaffte. Der Kranke ist vollkommen ruhig, besonnen, zeit-lich und örtlich orientiert und gibt zusammenhängende Auskunftüber seine Verhältnisse. Seine Schulkenntnisse sind sehr mäßige;während er in den ihn zunächst umgebenden Verhältnissen gut Be-scheid weiß, vermag er über etwas allgemeinere Fragen aus demGebiete der Landeskunde, der Geschichte, Politik oder Religionnur äußerst dürftige Antworten zu geben. Über den letzten Vorfallerzählt er, daß er schon seit einiger Zeit den Verdacht gehabt habe,seine Frau sei ihm untreu. Genau könne er das zwar nicht sagen,da er den ganzen Tag nicht zu Hause sei, doch habe er vor einemVierteljahre nach dem Beischlafe Brennen bemerkt, das ihm ver-dächtig vorgekommen sei. Allerdings habe ihn ein Arzt, den er be-fragte, darüber aufgeklärt, daß wohl die bei seiner Frau seit4 Monaten bestehende Schwangerschaft daran schuld sei. Vor14 Tagen, als er heimkam, habe er aber das Sofa in Unordnunggefunden und daraus geschlossen, daß sich die Frau in seiner Ab-wesenheit mit einem anderen Manne eingelassen habe. Daraufhinhabe er ihr einen heftigen Auftritt gemacht. Als er am Abend heim-kam, fand er seine Frau nicht zu Hause, sondern in der Wohnungihrer Mutter. Da sie nicht mit ihm zurückkehren wollte, habe erstark angeläutet und dabei „aus Versehen“ die Scheiben der Glas-türe eingedrückt.

Diese Erzählung muß uns von vornherein den Verdacht nahelegen, daß wir es hier mit einer wahnhaften Eifersucht zu tunhaben. Natürlich ist bei einer solchen Annahme immer große Vor-sicht geboten. Was aber hier sehr für eine krankhafte Entstehungs-weise spricht, ist die Unbestimmtheit der Angaben und die überausmangelhafte Begründung des Verdachtes. Da die von dem Krankenangeführten Beobachtungen augenscheinlich nicht das mindeste be-weisen, ist seine Eifersucht eben nicht auf Grund der Erfahrungentstanden, sondern umgekehrt haben die an sich nichtssagendenTatsachen ihre bestimmte Deutung erst durch die aus anderen,krankhaften Gründen entstandene Eifersucht erhalten. Der Wahnehelicher Untreue hat an sich nichts Kennzeichnendes für eine be-