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XVIII. Vorlesung.
werden, die rasche Besserung des ganzen Zustandes bei völligerEnthaltsamkeit. Wir dürfen übrigens nicht daran zweifeln, daß beieinem Trinker namentlich die Willensschwäche, die durch dasGift erzeugt wurde, sehr lange fortdauert; jedenfalls ist die Gefahrgelegentlicher Rückfälle außerordentlich groß. Namentlich ist es derGenuß des Alkohols selbst, auch in kleinen Mengen, der sofort dieWiderstandsfähigkeit gegen die Verführung schwächt. Wir wissenja alle, daß sich niemand hinsetzt, um sich zu betrinken, sonderndaß erst unter dem Einflüsse der ersten Gläser die Selbstbe-herrschung mehr und mehr verloren geht, gerade so wie es unsunser Kranker schildert.
Darum müssen wir alle Trinker zu völliger Enthaltsamkeitzu bringen suchen, wenn wir dauernde Erfolge haben wollen.Auch dann werden manche Enttäuschungen nicht ausbleiben.Immerhin gelingt es doch in der Hälfte bis zu 2 /s der Fälle, in denenrechtzeitig eingeschritten wird, dauernde Genesung der Trinker zuerreichen. In allen irgendwie schwereren Fällen wird dabei eine An-staltsbehandlung nicht zu umgehen sein, da der geschwächte Willedes Trinkers in den gewohnten Verhältnissen zu vielen Verfüh-rungen ausgesetzt ist, denen er aus eigener Kraft nicht zu wider-stehen vermag. Leider verfügen wir heute erst über einige wenigeTrinkerasyle, so daß die Trinker kaum anders, als in den Irren-anstalten behandelt werden können, ein Umstand, der natür-lich das rechtzeitige Eingreifen, von dem alles abhängt, ungemeinerschwert. Nur zu oft kommen die Trinker eben erst dann in dieregelrechte Behandlung, wenn sie gemeingefährlich geworden sindund also schon die schwersten Formen des Alkoholismus aufweisen.In unserem Falle liegt die Aussicht insofern nicht ungünstig, alsder Kranke ein deutliches Gefühl seiner Hilfsbedürftigkeit besitztund beide Male aus freien Stücken unsere Klinik aufgesucht hat.Er dürfte nunmehr durch seinen Rückfall wohl auch selbst die klareÜberzeugung gewonnen haben, daß nur die strenge Durchführungvölliger Enthaltsamkeit ihn auf die Dauer retten kann. Wir dürfendaher hoffen, daß es gelingen wird, ihn nicht nur jetzt herzustellen,sondern auch für die Zukunft gesund zu erhalten*).
Weit ungünstiger ist die Sachlage bei einem 34 jährigen Eisen-
*) Der Kranke ist seit 9 Jahren gesund und völlig enthaltsam.