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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XVIII. Vorlesung.

Störung zu gewähren, die wir als chronischen Alkoholismusbezeichnen.

Wenn Sie den 33 jährigen Kaufmann untersuchen, der vorwenigen Tagen freiwillig in unsere Klinik eingetreten ist, so werdenSie kaum ein Krankheitszeichen an ihm bemerken. Er ist voll-kommen besonnen und klar, gibt geordnet über alle seine Verhält-nisse Auskunft. Seine Gesichtszüge sind etwas schlaff und ge-dunsen. Die Sehnen- und Hautreflexe sind sehr lebhaft; beimSpreizen der Finger fällt ein feines Zittern auf. Gaumenbögen undRachen sind stark gerötet; die Zunge ist ein wenig belegt.

Als den Anlaß seines Eintritts in die Klinik gibt Ihnen derKranke an, daß er in der letzten Zeit stark getrunken habe. Er warein guter Schüler, fing aber etwa mit 16 Jahren, durch die Trink-gewohnheiten seines Vaters verführt, an, ziemlich regelmäßig Bierzu trinken, eine Neigung, die sich bei ihm mit manchen Schwan-kungen allmählich immer stärker entwickelte. Seine Heirat, diemit 26 Jahren erfolgte, brachte eine Zeitlang Besserung; späterwurde es aber wieder schlimmer, so daß er sich schließlich fast denganzen Tag in einem gewissen Rausche befand. In diesem Zustandewar er reizbar, schimpfte bei geringfügigem Anlasse in den ge-meinsten Ausdrücken, wurde leichtsinnig und nachlässig in seinerArbeit, zu Hause nur noch sehr wenig. AufZureden seiner Frauließ sich der von Hause aus gutmütige und lenksame Kranke beiuns aufnehmen und blieb fast 4 Monate in der Klinik, wo sich alleStörungen ungemein rasch verloren. Ihm wurde von uns dringendgeraten, dauernd völlig enthaltsam zu bleiben, und er befolgte diesenRat auch V/ 2 Jahre hindurch. Seine Arbeitsfähigkeit hatte sich da-bei sehr gehoben, so daß er erheblich mehr verdiente, als früher.Namentlich aber war seine Frau ganz glücklich über die Umwand-lung in seinem Wesen, da der Kranke heiter, liebenswürdig undsehr häuslich geworden war.

Erst vor 4 Monaten begann er wieder zu trinken, wie er sagt,aus Neugier, um zu sehen, ob er es jetzt wohl vertragen könne. DasBeispiel seiner Kameraden hatte in ihm den Wunsch erweckt, dochhier und da auch ein Glas trinken zu können, um nicht hinterihnenzurückzustehen. Anfangs blieb er mäßig; sehr bald abervermochte er nicht mehr einzuhalten.Wenn man eins getrunkenhat, dann kommt man eben in Zorn und wird erregt, und dann