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XIV. Vorlesung.
Form scheint mir bisher klinisch am besten begründet zu sein; wirdürfen auch den vorliegenden Fall mit seiner überaus raschen Ent-stehung und seinen sehr schweren Störungen diesem Bilde zu-rechnen. Ist diese Auffassung richtig, so werden wir nach 8-,höchstens 14tägigem Verlaufe auf eine rasche und vollständigeGenesung hoffen dürfen, wenn auch vielleicht noch einige Zeitlang leichte Erregbarkeit und allerlei StimmungsschwankungenZurückbleiben werden*). Die Erinnerung an die stürmische Zeitpflegt dabei ziemlich unklar zu sein. Die ärztliche Aufgabe bestehtin der sorgfältigsten Pflege und Erhaltung der Kräfte. UnsereKranke gehört unbedingt in ein Dauerbad, womöglich Tag undNacht. Zugleich ist reichliche Ernährung nötig, die bei dem ver-wirrten Widerstreben öfters die Anwendung der Schlundsondeerfordert. Als Beruhigungsmittel kann man der Fütterung Alkohol,nach Umständen auch Paraldehyd oder Trional hinzufügen. Be-sondere Überwachung erfordert die leicht erlahmende Herztätig-keit. Wir kräftigen sie durch Zusatz von Strophantus zur Fütterung,durch Einspritzungen von Koffein oder bei größerer Gefahr durchKochsalzinfusionen, die oft geradezu lebensrettend wirken. Auchin unserem Falle haben wir sie schon mit «vorzüglichem Erfolgeangewendet; augenblicklich ist infolgedessen die Herztätigkeit sogut, daß wir die Kranke als außer Gefahr betrachten können.
Weit verwickelter, als im vorigen Falle, ist der Zusammen-hang der Dinge bei einer 29jährigen Frau, die vor 2 Monaten ge-boren hat und sich jetzt seit 5 Tagen in der Klinik befindet. DieKranke, die ich Ihnen ebenfalls im Bette vorführen muß, zeigteine lebhafte Unruhe. Arme, Beine und Kopf führen unaufhörlichruckende, ziellose Bewegungen aus, die Sie ohne weiteres alschoreatische erkennen. Die Kranke schneidet Fratzen, verziehtden Mund, rümpft die Nase, schnappt mit dem Munde, schnellt die
*) Die Kranke ist am 12. Krankheitstage ruhig und klar geworden undhat sich ungemein rasch erholt. Sie blieb 11 Jahre vollständig gesund, er-krankte dann nach einer Bruchoperation an schwerer Phlebitis, die durchausgedehnte Thrombenbildung zum Tode führte. In den letzten 2 Wochentrat unter raschem Verfall der Kräfte bei mäßiger Temperatursteigerung leb-hafte delirante Unruhe mit Sinnestäuschungen, Verfolgungsideen, Ideenflucht,Ablenkbarkeit und ausgeprägtem Stimmungswechsel hervor. Man wird auchdiesen Zustand in ähnlicher Weise deuten können wie den früheren.