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XIV. Vorlesung.
Reimen und Gleichklängen: „Guten Morgen, Herr Hofrat, wiegeht es, wie steht es — ich war noch nie so lustig wie heute —mein liebes Käthchen, mein liebes Gretchen, mein liebes Mädchen— was soll das — da bist du, mein Schatz — mein Gemahl ist einLump — er ist tot“ usf. Dazwischen spricht sie von der Bartholo-mäusnacht, von Dornenkrone und ans Kreuz nageln, von Krieg,Geistern, die ihr zuwinken, Männern, die vorbeiziehen. Die Krankeist unbesinnlich, verkennt die Personen, gibt auf Anreden kaumeine Antwort; nur hie und da knüpft sie einmal an das Gehörtean, verdreht es oder verflicht es in eine scherzhafte Wendung.Die Stimmung ist gehoben, aber wechselnd; erotische Neigungenwerden durch Reizbarkeit und gewalttätige Ausbrüche abgelöst.Die Gesichtszüge sind eingefallen; Zunge und Lippen sind trocken,mit Krusten belegt, rissig. Dargebotene Flüssigkeit weist dieKranke zurück, spuckt sie wieder aus. Die Hände zittern stark;sonst sind außer den Zeichen einer vor kurzem überstandenen Ent-bindung keine körperlichen Störungen nachzuweisen.
Der vorliegende Erregungszustand erinnert in seinen wesent-lichen Zügen an das Bild der Manie. Nur scheint die Auffassungs-störung und die Bewußtseinstrübung eine viel tiefere zu seinauch die Verworrenheit in Reden und Handeln ist im Verhältnissezu dem Grade der Erregung auffallend stark. Dazu kommen nochdie deliriösen Sinnestäuschungen, über die wir aus den Reden derKranken einzelne Andeutungen entnehmen können. Wie es scheint,haben wir ein Recht, derartige Erregungszustände, bei denen sichschwere Störung der Auffassung und des Denkens mit ver-hältnismäßig geringer psychomotorischer Erregung verbindet, alsden Ausdruck von Krankheitsvorgängen zu betrachten, die nichtdem manisch-depressiven Irresein angehören, sondern durch er-schöpfende Ursachen erzeugt werden. Wir sehen sie daher auchvorzugsweise im Wochenbett, nach starken Blutverlusten, endlichnach gewissen, sehr akuten Infektionskrankheiten, insbesonderenach Lungenentzündung und Kopfrose auftreten. Wesentlich istdabei die sehr günstige Prognose dieser Irreseinsformen. Wennes gelingt, die Kranken am Leben zu erhalten, so tritt, soviel wirbisher wissen, immer völlige und dauernde Genesung ein. Auchfür unseren Fall dürfen wir somit auf Grund des klinischen Bildesdie Erwartung aussprechen, daß sich die jetzigen Störungen trotz