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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XII. Vorlesung. Irresein bei akuten Krankheiten.

die geistige und gemütliche Regsamkeit des Kranken trotz seinerVerworrenheit sowie sein gutes Gedächtnis und Urteil für alleweiter zurückliegenden Vorgänge und Verhältnisse sprechen.

Wie es scheint, ist die hier gegebene Verbindung von guterWahrnehmung und lebhafter Aufmerksamkeit mit schlechtem Ver-ständnisse der Eindrücke, Ablenkbarkeit, gemütlicher Verstimmung,Reizbarkeit, Erregung und Hilflosigkeit des Handelns kennzeichnendfür gewisse Formen des Irreseins, wie sie nach akuten körper-lichen Krankheiten auftreten, mögen dabei infektiöse Ursachenoder Erschöpfung die Grundlage des Krankheitsvorganges bilden.In der Tat ist auch hier eine akute Krankheit vorausgegangen,nämlich Gelenkrheumatismus. Der Kranke stammt aus ge-sunder Familie; nur soll sein Vater jähzornig gewesen sein. Erlernte gut, war ein fleißiger, nüchterner Arbeiter, heiratete mit23 Jahren und hat 3 gesunde Kinder. Mit 14 Jahren machte ereinen Gelenkrheumatismus durch. In gleicher Weise erkrankte erjetzt vor 10 Wochen, hatte viele Schmerzen. Nach 4 Wochenverschwanden die Schmerzen plötzlich; zugleich aber begann derKranke verwirrt zu sprechen, äußerte Versündigungs- und Ver-folgungsideen, war sehr unruhig, betete viel, drängte hinaus,und schlief fast gar nicht mehr.

Bei der vor 5 Wochen erfolgten Aufnahme in die Klinik warder Kranke unklar, kannte die Jahreszahl und den Namen desKaisers nicht, hörte Stimmen, namentlich seine Frau und seineKinder, antwortete langsam, schwerfällig, sinngemäß, aber häufigverkehrt, vermochte einfache Rechnungen nicht auszuführen. SeineStimmung war gedrückt, ängstlich; vorübergehend bestand Echo-lalie, Echopraxie und Katalepsie. Diese letzteren Störungen er-weckten damals zunächst den Verdacht einer Dementia praecox, derjedoch im Hinblicke auf das klinische Gesamtbild schon bei derersten Untersuchung wieder aufgegeben werden mußte. Wir wissenja, daß die Befehlsautomatie allein das Zeichen einer Willens-störung ist, die bei sehr verschiedenen Formen des Irreseins zurBeobachtung gelangen kann. Der Ernährungszustand des Krankenwar sehr schlecht, hat sich inzwischen schon wesentlich gehoben.Zugleich ist der Kranke regsamer und unruhiger, aber noch nichtklarer geworden, so, wie Sie ihn jetzt vor Sich gesehen haben.

Die hier geschilderte Entwicklung entspricht völlig unseren