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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Alkoholische Geistesstörungen.

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falscher Auffassung bei unserem Kranken, der, ohne den Wider-spruch zu empfinden, bald als Zecher in der Krone, bald alsKranker in der Klinik sitzt, bald Wirte und Gäste, bald Ärzteum sich hat. Diese Unfähigkeit, bei leidlicher Besonnenheit undguter Herrschaft über das Gedächtnis solche handgreiflichen Un-gereimtheiten zu berichtigen, erinnert uns an manche Erlebnisseim Traume und lehrt uns, daß wir es hier mit einem deliriösenZustande, mit traumhafter Bewußtseinstrübung zu tun haben.Nehmen wir noch die lebhaften Gesichtstäuschungen, die Unruhe,das starke Zittern, den Alkoholgeruch hinzu, so haben wir allewesentlichen Züge jenes Krankheitsbildes zusammen, das man alsDelirium tremens bezeichnet. Auch die Stimmung bietet eineeigentümliche Mischung dar. Es hat fast den Anschein, als obneben der Angst vor den drohenden Gefahren doch ein gewissesGefühl für die Unsinnigkeit der Wahnvorstellungen besteht, für dielächerlichen Widersprüche zwischen Wahn und Wirklichkeit. In-dessen ist die mehr humoristische Auffassung ihrer Lage denTrinkern auch sonst eigentümlich.

Das Delirium tremens ist eine sehr rasch, meist im Zeitraumvon 45 Tagen verlaufende Krankheit, die sich nur auf dem Bodendes chronischen Alkoholismus entwickelt. Unser Kranker hatschon seit seinem 13. Jahre stark getrunken. Sein Vater soll leichterregbar, ein Onkel früher sehr starker Trinker gewesen sein.Eine Tante hatte eine Wirtschaft, in der er schon als Knabe Bieraustragen mußte, wobei ihm überall angeboten wurde. Zu Hausebekam er täglich V 4 Liter Wein, trank dann viel in einer Schüler-verbindung, der er angehörte; das Schnapstrinken lernte er inAmerika. Zuletzt trank er nach eigener Angabe täglich 67 LiterWein und außerdem 56 Magenbitter, fast nur Suppen.Schon vor einigen Wochen traten gelegentlich Gesichtstäuschungenauf, Mäuse, Ratten, Käfer, Kaninchen; er verkannte zeitweise diePersonen und kam im Hemde in seine Wirtschaft. In den letztenTagen verschlimmerte sich sein Zustand.

Der weitere Verlauf des Falles wird sich voraussichtlich sogestalten, daß in wenigen Tagen ziemlich plötzlich alle Störungenverschwinden*). Meist tritt die Klarheit, die ganz an das Erwachen

*) Nach 6 Tagen war das Delirium abgelaufen. Der Kranke ist in den