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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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VIII. Vorlesung.

er sich befindet, kennt die Ärzte, ist jedoch zeitlich nicht ganz klar.Er verhält sich zunächst ruhig, gerät aber im Laufe der Unter-haltung mehr und mehr in Erregung, bittet dringend, man mögeihn doch nach Hause lassen zu seiner Frau und seinen Kindern,ihm noch einmal Gnade schenken; ob man es denn verantwortenkönne, ihn für immer und ewig ins Zuchthaus zu tun? DieWärter hätten es gesagt; an den gekreuzten Löffeln habe er esgesehen, daß man ihn fesseln wolle; die 5 Teller aufeinanderhätten bedeutet, daß er nicht mehr zu seiner Familie komme,4 zu Hause und einer hier. Er sehe wohl, daß man ihn alsunheilbar betrachte, und werde keinen Bissen mehr essen. Durchseinen Aufenthalt hier stehle er seinen Kindern das Geld. Morgenwerde er ganz gewiß hingerichtet, aber warum habe er auch nichtdarauf geachtet, was das bedeutet habe, wie die Tasse zerbrochenwar und das Geschirr so auf dem Tische stand. Er hätte sagensollen: „Ich weiß nicht, warum“ und seine Kleider verlangen. Indieser verworrenen Weise redet er weiter, läßt sich nur für kurzeZeit unterbrechen, um sein Jammern sofort wieder von neuem zubeginnen. Dabei verrät er lebhafte gemütliche Erregung, ringtdie Hände, will niederknieen, stöhnt und weint laut. Dennoch istsein Gesichtsausdruck nicht eigentlich traurig. Er blickt lebhaftund mit glänzenden Augen um sich, antwortet zwischendurch aufFragen ganz sachgemäß, ist bereit, einen Vertrag zu machen, daßer 8 Tage lang nicht reden und regelmäßig essen wolle, wenn erso heim komme, drängt halb scherzhaft, daß man ihm die Handdarauf geben möge, gerät aber dann wieder in seinen früherenRedestrom hinein. Die körperliche Untersuchung ergibt keinebemerkenswerten Abweichungen.

Das Zustandsbild ist somit bei dem Kranken dasjenige einerDepression. Fragen wir uns nach der klinischen Bedeutungderselben, so werden wir zunächst an die Möglichkeit einer Melan-cholie denken, da eine Paralyse wegen des Fehlens körperlicherStörungen, ein cirkulärer Depressionszustand im Hinblick auf dievöllige Freiheit der Willensauslösung wenig wahrscheinlich ist.Die einzigen Zeichen, die nicht so ganz in das Bild der Melancholiehineinpassen, sind vielleicht die große Redseligkeit des Krankenund die Leichtigkeit, mit der es gelingt, ihn, wenn auch nur vorüber-gehend, abzulenken.