Manisch-depressive Mischzustände.
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sonst ganz unzugänglich, mißhandelte hie und da andere Kranke,schimpfte gelegentlich unflätig, weinte auch öfters, zeigte einenblöden, verständnislosen Gesichtsausdruck. In der letztenZeit ist sieetwas freier und lenksamer geworden, freute sich bei Besuchen ihresMannes, blieb aber immer noch fast ganz stumm und zerstörte dieKleider, die ihr auf ihre Bitte von Hause gebracht worden waren.
Wie Sie sehen, entspricht der klinische Gesamtverlauf desLeidens in einzelnen, immer wieder zur Genesung führenden An-fällen ganz demjenigen des manisch-depressiven Irreseins. Auchdie Reihe der kurz dauernden depressiven Anfälle würde sich voll-kommen unseren bisher besprochenen Erfahrungen einordnen,ebenso der Beginn der beiden längeren Erkrankungen, die hier inder Klinik beobachtet wurden. Der weitere Verlauf allerdingsweicht beide Male in ganz gleicher Weise von dem gewöhnlichenBilde der Depression ab. Ich glaube nicht fehl zu gehen in derAnnahme, daß sich hier die Erscheinungen der manischen Er-regung mit denjenigen der Depression in höchst eigentümlicherWeise gemischt haben. Zu der Denkhemmung gesellte sichheitere, zeitweise gereizte Stimmung, und die Willenshemmungwurde durch die Neigung zu Handlungen durchbrochen, wie siesonst der Manie entsprechen. Auf diese Weise entsteht dasklinische Bild jenes „Mischzustandes“, den wir als „manischenStupor“ bezeichnen, in dem die Kranken unbesinnlich, gedanken-arm, schwerfällig, wenig gesprächig, öfters geradezu stumm sind,während sich doch ihre übermütige Stimmung in allen möglichenStreichen, Ausschmückungen, auch wohl in kräftigen Schimpfereien,scherzhaften Bemerkungen und Wortspielen Luft macht. Ist dieseAuffassung richtig, so wird die Kranke, obgleich sie wegen derschweren Denkhemmung früher wie jetzt für blödsinnig gehaltenwerden konnte, in absehbarer Zeit wieder gesund werden, stehtallerdings in Gefahr, später von neuem zu erkranken*).
Eine ganz andere Form von Mischzustand bietet der 33jährigeLandwirt dar, den ich Ihnen nunmehr vorstelle. Der Kranke gibtüber seine persönlichen Verhältnisse geordnete Auskunft, weiß, wo
*) Die Kranke ist nach 8 Monaten wesentlich gebessert nach Hause zurück-gekehrt und dort anscheinend allmählich gesund geworden; 6 Jahre später hatsie sich, vermutlich in einer neuen Depression, mit Salzsäure vergiftet.