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VIII. Vorlesung.
streben hereingeführt wird, bietet einen sehr merkwürdigen Anblickdar. Sie ist hager, schlecht genährt, blaß; das faltenreiche, frühgealterte Gesicht zeigt einen mürrischen, verdrießlichen Ausdruck.Der Kopf ist etwas gesenkt; die finster blickenden Augen spähenlangsam im Saale umher. Auf den aufgelösten, kurz geschnittenenHaaren trägt die Kranke einen unordentlich zusammengebundenenBlätterkranz, in den bunte Wollfäden und Papierfetzen verflochtensind; das Handgelenk ist mit einem abgerissenen Deckenstreifengeschmückt; um einige Finger sind Fäden geschlungen. Die linkeHand ist an die Brust gepreßt und umklammert ein Büschel Blätterund ein zusammengefaltetes Taschentuch. Die Kranke kommt lang-sam, zögernd näher, setzt sich auf eindringliches Zureden, gibtaber auf die an sie gerichteten Fragen keinerlei Antwort; nur hieund da hört man ein leises, unverständliches Brummen. Ihre Hal-tung ist gebunden, doch macht sich in leichten Bewegungen ihrerFinger eine gewisse Unruhe bemerkbar. Einfache Aufforderungen,aufzustehen, die Hand zu geben, die Zunge zu zeigen, befolgt sie;sie geht an die Tafel, öffnet die kleinen Schubladen für die Kreide,untersucht sie, murmelt dabei vor sich hin. Dann geht sie auf dieTüre zu, will hinaus, läßt sich aber ohne Schwierigkeit wiederzurückbringen. Beim Stechen der Hand mit einer Nadel zucktsie erschreckt zusammen, zieht die Nadel mit rascher Bewegungaus der Haut heraus, wirft sie fort, reibt die schmerzende Stelle.Auf ein ihr gereichtes Blatt schreibt sie nach Aufforderung flottihren Mädchennamen, während ihre Züge sich zu vergnügtemGrinsen erhellen. Plötzlich zieht sie ihre Schuhe aus und versucht,auch den Praktikanten der seinigen zu entledigen; sie erhebt sichvon neuem, geht von einem der Zuhörer zum andern und suchtihnen Dinge, die ihr gefallen, fortzunehmen, indem sie leise flüstert:„Geben Sie mir; das möcht’ ich haben, das möcht’ ich haben.“Sodann sucht sie sich einiger der aufgehängten Hüte und Mäntelzu bemächtigen, läßt sie sich nur mit Mühe wieder abnehmen,schimpft leise vor sich hin und widerstrebt lebhaft, als man siefortführt.
Die klinische Deutung dieses Zustandsbildes bietet erheblicheSchwierigkeiten. Offenbar haben wir es mit einer Form des Stuporszu tun; die Kranke faßt zwar einfache, an sie gerichtete Aufforde-rungen richtig auf, hat aber für ihre ganze Lage wohl nur ein höchst