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VII. Vorlesung.
fuhr auf die Polizei mit dem Vorgeben, daß er einen lange gesuch-ten anarchistischen Verbrecher in der Person eines Gendarmenaufgefunden habe, und erlaubte sich allerlei derbe Späße mit denBeamten. Er wurde damals für paralytisch gehalten. Die späterenAnfälle begannen jeweils mit Neigung zu verschwenderischen Aus-gaben, alkoholischen und geschlechtlichen Ausschweifungen sowieallen möglichen öffentlichen Ausschreitungen; einmal hatte er beider Aufnahme die ganzen Taschen voll wertloser Ringe, fremderMünzen, billiger Schmuckstücke, die er überall aufgekauft hatte,dazu zahlreiche Pfandzettel.
Die Dauer der Anfälle betrug anfangs 2—3, späterhin etwa6 Monate. Obgleich der Kranke sich in der Klinik meist sehr baldberuhigte und kaum noch leise Störungen darbot, mißlangen docheine Reihe von Entlassungsversuchen, weil er sofort wieder anfing,zu trinken, und dann rasch von neuem erregt wurde. Nach end-gültiger Genesung war er in den Zwischenzeiten ein sehr nüchter-ner Mann, der äußerst zurückgezogen lebte und mit seiner Frau,die er in der Erregung peinigte und beschimpfte, in gutem Ein-vernehmen stand. Nach der vorletzten Entlassung war er 3 Monate,nach der letzten 3 / 4 Jahre lang tief verstimmt, menschenscheu, bliebviel im Bette liegen und äußerte Selbstmordgedanken, bis dannallmählich das gemütliche Gleichgewicht wiederkehrte.
Unsere vorhin ausgesprochene Erwartung hat uns nicht be-trogen. Nicht nur sind bei dem Kranken schon eine Reihe vonmanischen Anfällen vorausgegangen, sondern es haben sich imLaufe der Jahre auch ausgeprägte Depressionen bei ihm eingestellt.Voraussichtlich wird daher auch die Zukunft eine mehr oderweniger regelmäßige Wiederkehr der einen wie der anderen Zu-stände bringen*). Daß die Dauer und Schwere der Anfälle imLaufe der Zeit zugenommen hat, während die Zwischenzeiten eherkürzer geworden sind, entspricht der allgemeinen Erfahrung beiunserer Krankheit. Der weitere Verlauf wird, wenn auch vielleicht
*) Der Kranke ist nach Eintritt der Beruhigung zunächst wieder längereZeit gedrückter Stimmung gewesen und 1 Jahr später von neuem manischgeworden. Dieses Mal stellten sich schwere epileptiforme Anfälle mit nach-folgenden Lähmungserscheinungen ein, deren einem der Kranke erlag; dieLeichenöffnung ergab ausgebreitete Arteriosklerose des Gehirns. Dieser Aus-gang scheint beim manisch-depressiven Irresein nicht ganz selten zu sein.