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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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III. Vorlesung.

gestört sind, als das Urteil, besonders aber als die gemütlichenRegungen und die mit ihnen in innigstemZusammenhange stehendenWillenshandlungen. Die Übereinstimmung des Krankheitsbildesmit dem vorhin besprochenen ist demnach trotz der verschieden-artigen Entwicklung des Leidens eine sehr weitgehende. Namentlichsind der völlige Verlust der geistigen Regsamkeit, des Interesses,das Fehlen jeglichen Antriebes zur Tätigkeit so eigenartige undtiefgreifende Veränderungen, daß sie dem Zustande in beidenFällen sein ganz bestimmtes Gepräge geben. Sie sind neben derUrteilsschwäche niemals fehlende, die ganze Entwicklung derKrankheit begleitende und überdauernde Grundzüge der Dementiapraecox. Neben ihnen müssen alle übrigen Störungen, mögen sieim einzelnen Falle noch so sehr in den Vordergrund treten, dochnur als mehr vorübergehende und darum nicht durchaus kenn-zeichnende Erscheinungen betrachtet werden. Letzteres gilt z. B.von den Wahnbildungen und Sinnestäuschungen, die zwar ungemeinhäufig vorhanden sind, aber sehr verschieden entwickelt sein, auchganz fehlen oder doch wieder verschwinden können, ohne daßdadurch jene Grundzüge oder der Verlauf und Ausgang der Krank-heit irgendwie berührt würden. Dennoch können wir uns als Regelmerken, daß Depressionszustände, die gleich im Beginne vonlebhaften Sinnestäuschungen oder verworrenen Wahnvorstellungenbegleitet sind, meist die Einleitung einer Dementia praecox bilden.Auch die gemütlichen Schwankungen sind bei dieser Krankheitimmer nur flüchtiger Art und daher für die Diagnose nicht ver-wertbar. Gerade im Anfänge freilich beobachten wir häufig leb-hafte Angstzustände oder traurige Verstimmungen, aber wir könnenuns meist sehr bald davon überzeugen, daß die gemütliche Er-griffenheit ungemein rasch schwindet, auch wenn deren äußereZeichen noch eine Zeitlang fortbestehen.

Wenn Sie. den jetzt vor Ihnen stehenden, 35jährigen, kräftiggebauten Briefträger ansehen, so werden Sie kaum begreifen können,daß sich dieser Mann vor wenigen Tagen nicht nur selbst um-zubringen suchte, sondern auch seine Frau bereden wollte, mit ihmzu sterben, nachdem er eine Woche früher schon bewußtlos vomWasserrohr abgeschnitten worden war. Der blaß aussehende, inseiner Ernährung heruntergekommene Kranke ist völlig besonnen,weiß, wo er ist, versteht seine Lage und gibt auf Befragen geord-