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II. Vorlesung.
2 Jahre später schloß der Kranke eine Ehe mit einer weit unterihm stehenden Person, höchst wahrscheinlich abermals in leichterErregung, ließ sich aber in der nun folgenden Verstimmungwieder scheiden. Mit 31 Jahren fiel er, anscheinend wieder in derErregung, einer Hochstaplerin in die Hände, die ihn im Sticheließ, als er später tiefsinnig wurde; die Angehörigen hielten freilichdie Verstimmung für die Folge der von ihm gemachten trübenErfahrung. Im 36. und 37. Lebensjahre folgte eine weitere, stärkereErregung, die wieder Anstaltsbehandlung nötig machte.
Der Kranke, dessen Vater, ebenso wie 2 seiner Brüder, Trinkerwar, während eine Schwester in gleicherweise krank ist wie er selbst,litt seit vielen Jahren an Diabetes insipidus. Ein Arzt riet ihmdeswegen angeblich, doch Wein zu trinken, da ihm das viele Wasserschädlich sei. Der Kranke folgte diesem Rate und erkrankte voretwa 574 Jahren plötzlich an einem Delirium tremens, an dassich jedoch unmittelbar ein allmählich immer schwerer werdenderErregungszustand anschloß, der erst nach 2 Jahren langsamschwand. Schon wenige Wochen nach der Entlassung aus unsererKlinik, in der er damals behandelt wurde, stellte sich nunmehrfast plötzlich die ungemein starke Willenshemmung ein, die Sie inetwas abgeschwächter Form noch jetzt an ihm beobachten. DerKranke blieb unbeweglich im Bett liegen, aß nichts mehr, ließ untersich gehen, konnte kaum sprechen, äußerte ängstliche Vorstellungen.In der ersten Zeit scheint auch das Denken erschwert gewesen zusein, während der kranke jetzt auf schwierige Fragen nicht oderkaum langsamer antwortet, als auf leichte. Eigentliche Wahn-vorstellungen traten aber auch damals nicht hervor. In der Klinik,in die der Kranke bald zurückkehrte, hat sich sein Zustand imLaufe der letzten 3 Jahre trotz sorgfältigster Pflege nur sehrlangsam und unwesentlich gebessert. Dennoch werden wir erwartendürfen, daß auch dieser Anfall wie die früheren in Genesung aus-geht*), wenn der Kranke die schwere Störung übersteht. Ebensowahrscheinlich aber ist es auch, daß er früher oder später wiederan ähnlichen Depressions- oder Erregungszuständen erkranken wird,wie er sie bisher schon so oft durchgemacht hat.
*) Diese Erwartung hat sich leider nicht erfüllt; der Kranke ist unterFortbestehen der psychischen Störung an einer rasch verlaufenden Phthisenach 372jähriger Dauer der Depression zugrunde gegangen.