Druckschrift 
4 (1864)
Entstehung
Seite
63
Einzelbild herunterladen
 

63

schen-Satzungen in ihrem Zusammenhang zu verstehen, oder sie vondem religiösen und Civil-System anderer bekannten Nationen her-zuleiten. Hier fehlt die Schrift; und wer vermöchte, hätten wirnicht das geschriebene Dokument zur Hand, aus den ähnlichen Ver-boten und Bräuchen der Inden den milden Geist der mosaischenGesetzgebung wieder zu finden, die auch dem Thier ein wohl abge-messenes Recht anerkennt, und worin uns übrigens noch die Ideevon rein und unrein unbegründet erscheint*). Wir sind außerdemweit entfernt, anzunehmen, daß jede Civil- oder religiöse Ordnungals ein vollendetes Ganze aus Einem Geist hervorgegangen sei;solchen Bau führt öfters die Geschichte aus, die vom Zufall dieSteine zu demselben empfängt. Und sehen wir nicht selbst den blö-den Menschen aus einer rein geistigen Religion zum Polytheismuszurückkehren und sein eitles irdisches Vertrauen dem materiellen Ge-genstände, dem Stein, dem Holze zuwenden? Wird es nicht unsselbst wie andern Völkern der Welt leichter, der Zauberei, der Lügeund dem Wort zu glauben, als dem Geiste anzuhängen?

Die unter den Insulanern der Südsee so tief eingewurzelte Un-gleichheit der Volksklassen, die besondere Heiligkeit etlicher Familienund Personen, die von Vermögen und Civilmacht unabhängig sind,erinnern unwillkürlich an Indien. Der Einwurf ist unzulässig, daßdie besonderen Kasten Jndien's besonderen Gewerben, Lebensweisenu. s. w. ergeben sind. Solche Ausscheidung kann auf diesen Inselnnicht statt finden.

Der freiwillige Tod der Gattin bei der Bestattung des Gattenaus den Fiji-Inseln und die ähnliche Sitte in der Familie desTooitonga zu Tonga deutet eben auch auf Indien**).

Bringt man nun die Frage in Anregung, wie und zu welcherZeit ein ursprünglich astatisches Volk sich gegen den Lauf der Winde,seine Hausthiere und nützlichen Gewächse mit sich bringend, auf die

*) Wir erinnern beiläufig, ohne etwas daraus zu folgern, daß das WortTabu mit gleichem Sinn als auf den Südsee-Jnseln in den mosaischen Büchernvorkommt, welches von den Gelehrten nicht unbeachtet geblieben ist.

**) Ularinor's louxu I. p. 330.