Druckschrift 
2 (1864)
Entstehung
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Sie können mich nicht leiden, mein Herr, Sie hassen mich, ichweißes; doch warum Haffen Sie mich? Ist es etwa, weil Sie michauf öffentlicher Straße angefallen und mir mein Vogelnest mitGewalt zu rauben gemeint? oder ist es darum, daß Sie mein Gut,den Schatten, den Sie Ihrer bloßen Ehrlichkeit anvertrant glaubten,mir diebischer Weise zu entwenden gesucht haben? Ich meinerseitshasse Sie darum nicht; ich finde ganz natürlich, daß Sie alle IhreVortheile, List und Gewalt geltend zu machen suchen; daß Sieübrigens die allerstrengsten Grundsätze haben und wie die Ehrlichkeitselbst denken, ist eine Liebhaberei, wogegen ich auch nichts habe.Ich denke in der That nicht so streng als Sie; ich handle blos, wieSie denken. Oder Hab' ich Ihnen etwa irgend wann den Daumenauf die Gurgel gedruckt, um Ihre wertheste Seele, zu der ich einmalLust habe, an mich zu bringen? Hab' ich von wegen meines aus-getauschten Scckels einen Diener auf Sie losgelassen? Hab' ich Ihnendamit durchzugehen versucht?" Ich hatte dagegen nichts zu er-widern; er fuhr fort:Schon recht, mein Herr, schon recht! Siekönnen mich nicht leiden; auch das begreife ich wohl und verargees Ihnen weiter nicht. Wir müssen scheiden, das ist klar, undauch Sie fangen an, mir sehr langweilig vorzukommen. Um sichalso meiner ferneren beschämenden Gegenwart völlig zu entziehen,rathe ich es Ihnen noch einmal: Kaufen Sie mir das Ding ab."Ich hielt ihm den Seckel hin:Um den Preis."Nein!" Ichseufzte schwer auf und nahm wieder das Wort:Auch also. Ichdringe darauf, mein Herr, laßt uns scheiden, vertreten Sie mirlänger nicht den Weg auf einer Welt, die hoffentlich geräumig genugist für uns beide." Er lächelte und erwiderte:Ich gehe, meinHerr, zuvor aber will ich Sie unterrichten, wie Sie mir klingelnkönnen, wenn Sie je Verlangen nach Ihrem unterthänigsten Knechttragen sollten: Sie brauchen nur Ihren Seckel zu schütteln, daß dieewigen Goldstücke darinnen rasseln, der Ton zieht mich augenblicklichan. Ei» Jeder denkt auf seinen Vortheil in dieser Welt: Siesehen, daß ich auf Ihren zugleich bedacht bin, denn ich eröffneIhnen offenbar eine neue Kraft! O dieser Seckel! Und hättengleich die Motten Ihren Schatten schon aufgefressen, der würde noch