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gewaltige Umwandlung des griechischen Lebens, welche nicht nurauf die Litteratur, sondern namentlich auch auf die Kunst demgrößten Einfluß hatte. Das Hauptmoment dieser Umwandlungliegt darin, daß das Innenleben der Seele in Gedanke undGefühl überall nach Ausdruck ringt. Für die Kunst hatte dies'die wichtige Folge, daß, indem man vor allem die allgemein'menschlichen Affekte, wie Schmerz, Lust, Liebe u. dgl., zur Dar--stellung zu bringen suchte, der Ausdruck des individuell persön--lichen Grundcharakters zurücktrat vor dem einer allgemein,menschlichen Situation und Empfindung. Das alles ist nuwschon bei den beiden Häuptern der neuen Periode, bei Skopas-und Praxiteles im hohen Grade der Fall. Dionysos undAphrodite, die Götter der menschlichsten Empfindungen, werdenHauptgegenstand; doch damit sich nicht begnügend, stellt maneine ganze, viel abgestufte Skala von Affekten in der Umgebungund den Begleitern jener Götter dar: in Eros, Pothos, Himerosund Peitho, in den Satyrn und Mänaden, in den Nereidenund Tritonen. In engster Verbindung hiermit steht daun aucheine Vorliebe der Zeit für die gefällig zarte Anmuth des weib-lichen Wesens, für die Darstellung weiblichen Liebreizes.
Doch von höchster Wichtigkeit ist hierbei, daß man sich beiGötterbildungen nun auch auf diejenigen Gestalten beschränkt,zu deren Wesen und Begriff eben solche Erregungen gehörten:also die Götter der Liebe oder des bacchischen Genusses oderdes ewig erregten Meeres. Auch bei Demeter z. B., derenIdeal wir dieser Zeit verdanken, liegt der sehnsüchtig wehmuths-volle Zug tief im Wesen der verlassenen Witwe, die ihr einzigesKind verloren, begründet. Gerade durch diese Beschränkungwird es nämlich möglich, daß auch jetzt noch jene abstrakteRuhe des ewig seienden Gottes, welche dem Griechen für seinenGott Bedürfniß war, vollständig gewahrt werden konnte. Vorallem bezeichnend in dieser Hinsicht ist das berühmteste Werk
Sammlung. N. F. VI. ISS. Z (WS)