29
war es sein glühendes Verlangen, seine Vaterstadl nach demMuster der großen italienischen Städte mit Bauten eines strengklassischen Stils zu verherrlichen. Der tiefe und nachhaltigeEindruck, den die gerade in Venedig zum lebendigsten Ausdruckgelangte Renaissance auf den jungen und empfänglichen Bau-meister machen mußte, zeigt sich insbesondere in den Modellenzum neuen Rathhause, von denen eines den venetianischen Palast-stil mit seiner ganzen dekorativen Pracht repräsentirt. Nochzwölfmal kam Holl in der Folgezeit nach Italien.
Zuerst übertrug der Rath ihm den Neubau des Gießhauses,weil „die Herren die Gebäu zu Venedig gesehen, die ihnenWohlgefallen". Dem jungen Meister gab man also besonderswegen seiner Vertrautheit mit dem Renaissancestil Italiens denVorzug. Der Bau wurde ihm um 900 st. verdungen; daßman mit seinem Werke zufrieden war, geht aus der weiterenBelohnung von 250 fl. hervor, die man ihm verehrte. Einzweiter öffentlicher Bau war das neue Zunsthaus der Bäcker;für den Abbruch des alten Bäckerhauses und den Aufbau desneuen erhielt Holl vom Rath 1750 fl., mußte aber mit dieserSumme die sämtlichen Material- und Tagwerkerkosten bestreiten.„Hat dieser Bau" — schreibt er — „meinen Herren wohl be-liebet und sind mit mir wohl zufrieden gewest, und haben mirüber ernannte 1750 fl. 250 fl. verehrt, um wegen der mühsamenGesims, so auf welsche Manier daran und viel Mühe gekostet."Die mühsamen welschen Gesimse sind noch zu sehen, denn dasHaus mit seiner schmalen hoch emporgeführten Fassade, die durchdrei Pilasterordnungen gegliedert wird, ist noch vorhanden.
Kaum war dieses Gebäude vollendet, so starb der alteStadtbaumeister Jakob Erscheh, und Holl rückte in seine Stelleein. Erscheh hatte zur Besoldung jährlich 80 fl., dann einenRock zu 5 fl., für Hauszins 10 fl., dazu 12 Klafter Holz und52 fl. Wartegeld bezogen. Holl, dem das zu wenig schien und
1611