1
26
28. Februar 1573 geboren. Man wird von wahrer Ehrfurcht fin-den ehrlichen Alten ergriffen, wenn man in der Biographie liest,mit welch herzlichen Ausdrücken er die Ankunft eines jeden ihmvon der lieben Hausfrau neu geschenkten Kindes begrüßte. Soheißt es z. B.: „am Montag nach St. Michaelis (1548) be-scherte mir Gott das siebente Kind, einen Sohn, NamensAbraham." „Den 13. August 1557 geneidete mich Gott mitdem zwölften Kinde, so ein Sohn und Tobias genannt." ElfKinder aus der ersten Ehe lebten, als Johannes Holl zumzweitenmale heirathete, und als ihm seine Hausfrau im fünftenEhestandsjahr das fünfte Kind gebar, da schrieb er mit frohemMuth, unbekümmert, wie die vielen genährt werden sollten, in dieHauschronik: „Den 19. December 1573 erfreute mich der Höchstemit dem fünften Kinde, einem Sohn, der Sebastian genanntward." Und doch war die Zeit Holls, gegen die unsrige ge-halten, eine ungleich härtere und strengere; der Kampf um dasmaterielle Dasein abforbirte vorweg die beste Kraft und hemmtedadurch die Entfaltung der idealen und geistigen Keime derMenfchennatur.
Holls Geburtsjahr fiel gerade mit dem Tode Vignolas,des einen Schülers Michel Angelos zusammen, welcher nachgroßer Thätigkeit zu Bologna, Pisa und andern Orten in Romwirksam wurde, während Vasari, der andere Schüler undFreund Michel Angelos, Erbauer der Uffizien zu Florenz, umein Jahr später starb. Beide hatten sich wieder, im Gegensatzzu ihrem Meister, den Regeln der reineren Renaissance zu-gewendet, welche gleichzeitig in Frankreich blühte, während damalsin Deutschland die klassischen Formen noch mit gothischen ver-mischt wurden, bis dann zu Anfang des 17. Jahrhunderts dasRathhaus zu Nürnberg einen mehr mustergültigen Renaissancebauvor Augen stellte.
Holls Vater baute noch rein gothisch, während der Sohn
< 58 ,