Druckschrift 
Eine deutsche Stadt im Zeitalter des Humanismus und der Renaissance
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

19

hätte, ein kolossales mythologisch-allegorisches Werk an einemHause der Philippine-Welser-Straße, ein Rokokostück voll derabenteuerlichsten Phantasie, dessen Sinn und Verstand gewißkein Sterblicher mehr enträthseln kann, aber bei aller barockenManier so übermüthig keck und mit so flottem, breitem Pinselauf den Kalk geworfen, daß man vor Staunen über des MeistersMuth und Vermessenheit und über manchen wahrhaft pompösenEinzelzug erst nachträglich dazu kommt, sich über die Geschmack-losigkeit des Ganzen zu ärgern. Aehnlich ergeht es mit AntonioPonzano, einem sonst kaum genannten Meister. Seine Freskenin den jetzigen Räumen des Kunstvereins galten lange fürWerke Tizians. Erst in neuerer Zeit hat man durch äußereBeweise dargethan, daß jene höchst geistvollen und lieblichenKompositionen, die gar mancher Kenner als Zeugnisse der An-wesenheit des großen Venetianers in Augsburg gläubig be-wunderte, nur von dessen Schüler Ponzano herrühren.

Mathias Kager hat, als ein echter Bürgermeister der kunst-reichen Reichsstadt, das Rathhaus, das Weberhaus, das Stadt-gefängniß und zwei Stadtthürme mit seinen Fresken geschmückt.So edel stilisirte historische Kompositionen aus der jammervollenPeriode des dreißigjährigen Krieges giebt es in Deutschlandwahrlich nicht viele. Es ist dazu eine originelle Geschichte, daßder Bürgermeister von Augsburg an den Häuserwänden Freskomalte, während draußen schon der Donner des dreißigjährigenKrieges heranrollte.

Der Reichthum Augsburgs an solchen Hausfresken muß inder Glanzzeit der Renaissance ein enormer gewesen sein : nochim Anfang unseres Jahrhunderts sollen die Straßen einem auf-geschlagenen großen Bilderbuch geglichen haben, dessen Blätterdie mit Fresken bedeckten Häuserwände waren. Man kann sichdaraus unschwer einen Rückschluß auf den Glanz und dieFarbenpracht der Straßen im 16. Jahrhundert machen. Rechnet

2 » csi>