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4.
Die Stiftskirche aber war inzwischen all ihrer früherenPracht entkleidet worden.
Einen Teil der goldenen und silbernen Kleinodien hatteman um die Wende der Jahre 1529 und 30 nach der Moritz-burg gebracht, um sie daselbst in grösserer Sicherheit aufzu-bewahren 1 ), ja es hatten solche schon vorher daselbst Unter-kommen gefunden 2 ), wenn sie nicht gar von Anfang an dortgeblieben waren, wie sich auch der Eat gleich bei der Gründungdes Stifts das Mitverwahrungsrecht der Kleinodien in Ab-wesenheit des Erzbischofs ausbedungen hatte (Beilage 3). Auchdie grosse Sendung des Jahres 1531 kam wenigstens zunächstin die Moritzburg, doch lehrte uns das Breviar von 1532, dassdiese Kleinodien doch an den Festtagen in der Stiftskircheaufgestellt wurden. In den Zeiten der finanziellen Not wares für den Cardinal, zumal da er seinen Aufenthalt auf derMoritzburg hatte, freilich recht verführerisch, diese Schätzeanzugreifen und zum Pfand einzusetzen. Wenn er auch ur-sprünglich gewiss die Absicht hatte, die Pfänder einzulösen,so wurde es ihm doch durch die immer zunehmende Schulden-last unmöglich. Eine grosse Zahl von Kleinodien, namentlichauch viele der kostbaren Keliquiare, waren auf diese Weisedem Stift verloren gegangen. Jetzt aber, wo das Stift auf-gehört hatte zu sein, wurde alles aus der Kirche entfernt, wasnur irgend von einigem Wert war und sich nicht allzuschwertransportieren liess.
1) Der Dechant im Stift Johann Dithmanu an Albreeht, Beilage zu einemBriefe, dat. am achten tage trium regum anno etc. XXX (13. Jan. 1530): —Ess halien etzliche persone dess stift'ts und in sonderheyt err MatthiasBredo, der yn vilen Sachen sere eyn unnutzes klaff-mawel hat, d y e. bey-schlysung der clinodien unter d\e hurger in dy stadt bracht,darauss vil arck denckenss und redenss kummeu. Derhalben, gm. churf.und h., duncketh mich nicht ungelegen, wo ess an phare [ohne Gefahr]were, dass mau dass cleyneste silbern rauchfass, dess dechandts stab und
der kemmerer zcepter wyder herab in dye kirchen brauch nheme.-
Dat. ut supra. Dechandt. (Mgdb. A., Erzst. M. 11 791, nach Blatt 16). —Cf. auch Beilage 14.
2) Der Kanzler Christoph Ttirck und der Hauptmann der Moritzburg(Hans v. Pack) lassen bereits 1528 die Reliquien vom Neuen Werk „uffs. Moritzhurg zu dem andern h e i 1 i g t h u m b“ bringen: ChristophTürck an Albreeht, Halle, 15. August 1528: Mgdb. A., Erzst. M. II 67,fol. 5.