Druckschrift 
Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
Entstehung
Seite
290
Einzelbild herunterladen
 

290

Mitglied eines geistlichen Ritterordens der Spender ist, derseinem Familienwappen das seines Standes beigefügt hat(L. 0. Y, 4i. Auch das von den Buchstaben MS gebildete undmit einer Krone bedeckte Monogramm an einer Monstranz(YI, 46) und die Aufschrift an dem Fasse eines anderen Osten-sorinms: Sifridns Salemarth, (VII, 31.) weisen wohl auf denBesteller des Werkes hin and nicht auf den Verfertiger, daletzterem im ersten Falle keine Krone zukommen würde undes im zweiten Falle damals durchaus nicht üblich war, dassein Goldschmied seinen vollen Namen , noch dazu in grossenBuchstaben auf einem Werke seiner Hand anbrachte, unddieser bei dem ganz einfach gehaltenen Gerät auch gar kei-nen Anlass hatte, sich einer besonderen Knnsfertigkeit zurühmen. Unaufgeklärt muss endlich noch ein Wappen bleiben,das sich, von einem Mann als Wappenhalter getragen, an demAufsatze eines Reliquiars (VII, 26) befindet und in grünerZeichnung auf Goldgrund einen gespaltenen Schild aufweist,der, rechts quer geteilt, oben einen Balken, unten einen Sternzeigt, links mit Schindeln (?) bestreut ist.

Gar manches andere Eeliquiar noch wird Albreclit zumGeschenk erhalten haben, von dem uns weder ein Aktenstücknoch ein am Kleinod angebrachtes Wappen Kunde giebt.

Aber mehr als irgend ein anderer, mein' sogar als Erz-biscliofErnst, hat doch Albreclit selbst solche Reliquienbehälter,und gerade die kostbarsten, „erzeugt“, wie man damals vomBesteller zu sagen pflegte, der von seinem Gelde und zumeistnach bestimmten Weisungen seinem Geschmacke gemäss dieKunstgegenstände anfertigen liess.

Die kostbarste Reliquie der ganzen Sammlung war, wiewir bereits sahen, eine Partikel vom Leichnam Christi selbst.Dem Heiligtumsbuche gemäss wurde sie im Jahre 1520 auf-bewalirt in einer „köstlichen Monstranz mit goldnen Halsbän-dern, Edelsteinen und Perlen geziert“, an deren Fuss wir dasWappen Erzbischof Ernsts erblicken (Abbildung: Hirtli 84)und der wir im Liber Ostensionis unter Gang IX,- zcum an-dern, wieder begegnen. Dagegen wird diesem Codex nachder Fronleichnam in einer andern „ganz goldenen Monstranzmit köstlichen Edelsteinen und Perlen“ aufbewahrt, die ihremStile nach erst zur Zeit Albrechts, im Zeitalter der Renaissance,