Druckschrift 
Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
Entstehung
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

259

Reliquien, und dazu eine grosse Menge auf das Leben undLeiden Christi bezüglicher Erinnerungen, denen im drittenGange Reliquienvon der hochgelobten Königin der LiberOstensionis macht sie sogar zur Kaiserin Marie folgen. Im4. Gange sind alsdann die Reliquien von den'heiligen Patriarchenund Propheten zusammengestellt, im 5 tu " von den heiligenEvangelisten, Zwölfboten (Aposteln) und Mitrichtern Christi amJüngsten Tage, im 6 ti;n von den heilgen Märtyrern, im 7 te11 vonden heiligen Beichtigern (d. h. Confessoren oder Bekennern),Bischöfen und Päpsten, im 8 te " von den h. Jungfrauen undendlich im 9 tu von den h. andächtigen Witwen und aus-erwählten Frauen.

Man rühmte sich in Halle ganz besonders seltener Reli-quien, und wir finden in der tliat manches Auffallende. Vonder Jungfrau Maria zeigte man nicht nur Partikel dosKleides, in dem sie den englischen Gruss empfangen, sondernauch von dem Hemde, in dem sie Christum geboren. Besondersgefeiert waren die Reliquien vom Leiden Christi, die soge-nannten Passionsreliquieu, nach deren einer, dem Scliweiss-tuch dem Tuche, welches das Gesicht des LeichnamsChristi im Grabe bedeckt habe ! ), ja die Stiftskirche mitbenannt war (ad sudarium domiui). Daneben gab es Par-tikeln vom Kreuz, an dem Christus gehangen wir lerntenschon eine kennen, eine Anzahl Dornen voip seiner Krone,als einer der vorzüglichsten Reliquien aber rühmte mansich einer Partikel vomwahren Fronleichnam nnsers liebenHerrn Jesu Christi selbst, welche schon in der Vorrede beiGelegenheit der Einteilung der Reliquien in die verschiedenenGänge ausdrücklich hervorgehoben wird und auf die dannbei der Zeigiuig des Heiligtums das Volk ganz besondersaufmerksam gemacht wurde 1 2 ). Die Mehrzahl der Reliquien

1) Im Liber Ost., Gang- II, zcum 2^», wird aufgeführt: Eyn silbernnviereclcicht kestleyn, uff der deckenn dye aufferstchunge Christi gestochenn;dorinneu ist eyn mergklicli gross stucke vonn dem schweysstuche unndxudario Christj, welelis yme uff seyneui gotlichenn und gebenedeitemantlitz im grabe gelegenn, daran noch sichtiglich hefundenn wirdt dyesalbe unnd das bluth. Cf. auch Mitteilungen aus dem german. National-museum II 14-7.

2) Im Lib. Ost., Gang II, zcum ID, heisst es: Eyn gantze gulilenn

17 *