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Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
Entstehung
Seite
239
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Denn nahezu nichts ist von dein kostbaren Schatze aufunsre Tage gekommen. Um so willkommener müssen uns daherzwei Bücher sein, ein kleineres gedrucktes Büchlein und eingrosser handschriftlicher Codex, die uns nicht nur ein genauesVerzeichnis der G-egenstände, welche am Relkjuienfeste vor-gezeigt wurden, mit ihrem Inhalte an Reliquien gehen, sonderndiese Gegenstände auch mehr oder minder getreu abbilden.

Das erstere ist das sogenannteHallesche Heiligtumshuch.

Heiligtumsbücher sind gerade in jener Zeit vielfach ent-standen. Bekannt ist das Wiener von 1502 und das Witten-berger von 1509, aus etwas früherer Zeit schon stammt dasWürzburger, von 1485, und gar manches andre ist noch vor-handen 1 ). Sie enthalten sämtlich das Verzeichnis des Eeliquien-

1) Das Wiener Heiligtumbuch von 1502 (mit Nachträgen von 1514)' istherausgegeben von Franz Bitter, Wien 1882. Es enthält nur kleine Holz-schnitte von den Heiligtmnsbehältern, aber sonst einige Vollbilder. Überdas Wittenberger Heiligtunisbuch cf. J. Küstlin, Friedrich der Weise unddie Schlosskirche zu Wittenberg (Wittenberg 1892) S. 17. Schuchardt, LucasCranach II 255. Hirths Liebhaber-Bibliothek alter Illustratoren in Facsimile-Iteprodnction, VI: Lucas Oranacli's Wittemberger Heiligthumshuch vomJahre 1509. Das wenig bekannte Würzburger Heiligtnmsbnch wird er-wähnt von A. Niedermayer, Kunstgeschichte der Stadt Wirzburg, Frkf. 1860,S. 239, der auch Nürnberger (1487, 1493) und Bamberger (1493, 1509)Heiligtumsbücher kennt. Das Würzburger besteht aus nur 6 Blättern in 4°mit der Aufschrift:In disein puchleine ist czu wysen das hochwirdigheyltlmm in der löblichen stat Wirtzpurg, das man da pfligt zu weisenalle jar an sant Kyligaus tag. Unter diesem Titel befindet sich ein Holz-schnitt: ein Bischof mit Schwert und Stab, umgeben von zwei Priestern,die Kelch und Patene halten, darunter ein durch eine Zickzacklinie odergenauer: 7 mal'mit Spitzen geteilter Wappenschild. Eine kurze Einleitunggiebt Anweisung, dem Volke zunächstdas leben und die legent des heiligensant Kiligan und seiner geschelsehaft und den vom Papst Bonifatius (IX)verliehenen Ablass vorzulesen; letzterer ist auch abgedruckt, in deutscherÜbersetzung: geben zu Born pey s. Peter am sybent kalend dess monetapril (also wohl 26. März) yn dem zwelfften jar unsere pystum (d. i. 1401).Alsdann werden die Feste aufgezählt, an denen solcher Ablass verliehenwird.An sandt Kyllians tag aber,so die hocke ader die tagmess aussist, so wirt das heyltum getragen an dy stat, do man an den hötzigkliclien[hochzeitlichen] tagen das ewngelium list, das ist pei dem aitar despfarrars. Czum ersten sehol man tlinn ein andeclitigkliche vennauung demgesamelten volck; czu dem andern ein gemeine peycht, zum driten söl manweisen das lieylthum. Es folgt die Aufzählung der Heiligtümer mitkleinen, sehr schlechten Holzschnitt-Abbildungen der Reliquien!) ehälter,welch letztere bei Niedermayer aufgezählt sind. Die letzte Seite enthältden Druckvermerk, wonach Hans Mayr das Büchlein zu Nürnberg 1483gedruckt hat.