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Doch bereits vorher hatte man das Fest der Reliquien zuHalle gefeiert, ln der eben besprochenen Bulle wird nur derTag, an dem man bisher (hactenus) das Fest aus eignerMachtvollkommenheit begangen habe, vom Papste ausdrücklichund für künftige Zeiten zu dem gleichen Zwecke bestimmt.Dass die Feier aber erst ein Mal, am 11. September 1519,stattgefunden haben konnte, erhellt daraus, dass erst die Bullevom 13. April dieses Jahres so reichen Ablass gewährte, wirduns aber auch noch ausdrücklich durch eine andere Nachrichtbestätigt. In einem späteren Erlasse wird nämlich daraufhingewiesen, dass der Cardinal am genannten Tage des Jahres1519 in die Kirche S. Mariä Magdalenä auf der Moritzburg„das gnadenreich gülden Jahr“ eingeführt habe'), worunterwohl das durch Bonifaz VII1 im Jahre 1300 als Jahrhundert-feier eingeführte und von seinen Nachfolgern in kürzerenZwischenräumen wiederholte Jubeljahr gemeint ist, das auchmit grossen Ablässen verbunden war * 1 2 3 ), und das nun gleichsamvon Rom nach Halle für kurze, jährlich wiederkehrende Zeitübertragen wurde.
Als dann am 15. Juli 1520 eine feierliche Procession dieStiftsherrn in ihr neues Heim einführte, da werden diese auchden Reliquienschatz mit den sonstigen Kostbarkeiten derMagdalenenkapelle in ihre Behausungen mitgebracht haben.Das Magdeburger Domkapitel hatte dies dem Erzbischof aus-drücklich bewilligt, und auch der Papst hatte seine Zustimmungdazu gegeben 2 ). Ob freilich diese Schätze bereits in der Kircheaufgestellt werden konnten, ist sehr fraglich, da an diesernoch mehrere Erneuerungsarbeiten vorgenommen werdenmussten. Dies letztere ist vielleicht auch der Grund davon,dass wir von einem Reliquienfeste im Jahre 1520 nichts hören.Wohl aber erschien in diesem Jahre ein Büchlein, in dem
diese von einem Balthasar de Piscia gezeichnete Bulle Rome apml sanctumPetrum anno incarn. dominice millesimo (juingentesimo dccimo nono, tertiodecinio kl. octobris [19. September], pontilicatus nostri anno septimo. Magde-burger Archiv, Urkk. Halle P. 10.
1) Hallisehes Trutz-Rom von 1521 (ed. Ed. Böhmer) S. 3.
2) So berichtet Spalatin zum Jahre 1500 (fl. Spalatins hist. Nachlassu. Briefe, hrsg. v. Neudecker u. Preller, I 137): In diesem Jahre 1500 hatBabst Alexander, des Namens der Sechst, ein römisch gülden Jahrangethan und aus demselben Ablass ein gross Geld gekramet.
3) Dreyhaupt I 879. 877.