.203
der Cliorscliiiler in reicher Zahl und, soweit sie für die Festebestimmt sind, von kostbaren Stoffen vorhanden, sodass Carionvom Osterfeste 1533 rühmen konnte: es waren alle Stühle inder Kirche, besonders im Chor, mit goldenen (d. h. mit Gold-fäden durchwirkten oder goldgrundierten) Tüchern köstlichbehängt, und in den Stühlen und auf dem Geländer goldeneKissen; in Summa, kein Sammet war hier geachtet ’).
Vor allem aber war es an Festtagen eine andre Zier,welche das Auge auf sich zog und über das Gotteshaus einemärchenhafte Farbenpracht ausbreitete:
Ringsumher wallet herab von den Wänden der Teppiche Zierde,Welche des belgischen Volks künstliche Nadel gestickt;Fäden von strahlendem Gold durchziehen das reiche Gewebe,Die feinbildende Hand hell in die Fläche gewirkt 1 2 ).
Im Chor, an den beiden Seiten des Lettners und im Schiff derKirche hingen — so berichtet uns das Inventar von 1525(S. 49*) — nicht weniger als 35 „gewirkte goldene und seideneTücher“! Wir werden darunter Stickereien „battus en or“ zuverstehen haben, wie sie besonders in Arras verfertigt wurden:gezogene Goldfäden, dicht nebeneinander gefügt und auf einemleinenen Unterstoffe befestigt, bildeten eine Fläche, die wiegehämmertes Gold aussah und die als Fond für die mit bunterSeide ausgeführten Stickereien diente, sodass überall, ausserbei den dichter gestickten Incarnationsteilen menschlicherFiguren, das Gold durchschimmerte 3 ). Doch nur an denhöchsten Festtagen , erfreute dieser Schmuck das Auge derBesucher: an den vier hohen allgemeinen Kirchenfesten (Weih-nachten, Ostern, Pfingsten und Mariä Himmelfahrt), am Fron-leichnamsfeste, an den Tagen der Patrone Moritz und Magdalenaund am Feste des Heiligtums, und auch da wird ganz genaubestimmt, an welchem Tage und zu welcher Stunde er aufge-hängt und abgenommen werden soll; in der übrigen Zeit ruhteer in eigens dazu bestimmten Kästen 4 ). In diese Teppichewaren zumeist bildliche Darstellungen eingewoben. Im Chore
1) Voigt, Briefwechsel S. 148.
2) Sabinus, Ilodoeporicon, Beilage 26, v. 21. (Übersetzung- von MerkelMiniaturen und Manuscripte etc.)
3) Bock, Gesch. der liturg. Gewänder I 294.
4) Breviar unsrer Kirche von 1532, Neue Mitteilungen XV, 35. 37.