184
eine, Magdalena, in vornelinier Tracht, durch die Salben-biiclise, die andre, in der Kleidung einer Bürgersfrau des16. Jahrhunderts, durch Weihwasserbecken nebst Sprengwedel,sowie den Drachen zu Füssen (Attribute, die nicht der Schwesterdes Lazarus, sondern einer andern heiligen Martha, der Mutterdes Simeon Stylites, zukommen) charakterisiert, währendChrysostomus in Bischofstracht erscheint. Alle sind zudemdurch Inschrift im Nimbus bezeichnet. Janitschek in seinerGeschichte der deutschen Malerei 1 ) rechnet auch den h. Valentin,der einen Besessenen heilt, an einem Pfeiler der Aschaffen-burger Stiftskirche, mit hierher, und in der that weist diesGemälde mit den Münchnern, am auffallendsten in der Be-handlung des wolkigen Himmels, die grösste Übereinstimmungauf. In der rücksichtslosen Eealistik bei Wiedergabe desEpileptischen, mit zu Berge stehenden Haaren, Gischt vor demMunde, zeigt sich deutlich der Einfluss Griinewalds, der sichsonst zumeist bei diesem (z. B. in den purpurroten Fingerndes Heiligen) wie bei den andern Flügelbildern in einer kräftigenFarbengebung erkennen lässt. Aber die Bilder sind doch auchwieder zu verschieden von Griinewalds Art, als dass man siediesem zuschreiben könnte, vielmehr weisen manche Züge, z. B.die Bildung der Köpfe der weiblichen Heiligen, auf den älterenCranach hin. Man hat daher in dem Autor dieser Tafelneinen zwischen Grünewald und Cranach stehenden Meister er-kannt und ihn, da man früher seine Werke infolge des Zu-sammenstehens der Flügel mit dem Mauritius-Erasmus-BildeGriinewalds auch diesem Künstler zugewiesen hatte, Pseudo-Griinewald getauft. Da wir aber wissen, dass ein MalerSimon von Aschaffenburg mehrfach für Albrecht thätigwar und die Gemälde, die dem Pseudo-Griinewald zugeschriebenwurden, fast ausnahmslos für den Cardinal entstanden sind,so meinte Niedermayer, dem Janitschek, wenn auch mitFragezeichen, hierin folgte, die Identität beider annehmen zukönnen 2 ).
Leider ist es mir auch hier nicht gelungen, durch archi-
1) Daselbst Abbildungen des h. Lazarus und der Martha. — VorJanitschek führt schon G. Becker im Kunstblatt 1846, S. 129 den Valentinmit als Flügel des Grünewald’schen Gemäldes auf.
2) Niedermayer, Kunst-Chronik XVII 129. Janitschek 395.