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auch Otte, ebenfalls unabhängig- von den Urkunden, dass derChor frühgotische Formen zeige — also doch noch dem lil. Jahr-hundert angehöre —, während das Schilf aus dem 14. Jahr-hundert zu stammen scheine 1 ). Die Gesamtanlage der Kircheaber macht einen so einheitlichen Eindruck, dass wir imGegensatz zu den beiden Antoren nicht zwei getrennte Bau-zeiten annehmen möchten, wenn sich auch natürlich nichtleugnen lässt, dass gewisse untergeordnetere Motive im Laufeder Zeit kleine Abänderungen erfahren haben, da vom Beginndes Baues bis zu seiner Vollendung immerhin mehrere Jahr-zehnte vergangen sein werden. Man wird auch hier, wie diesbei Kirchenbauten, wenigstens in Deutschland, die Kegel war,mit dem Chore begonnen haben, und so mag es kommen, dassdas Schiff bereits den Eindruck einer etwas späteren Zeiterweckt. —
Wenn Schönermark (besonders von S. 232 an) behauptet,die ganze Kirche sei erst von Cardinal Albrecht neu errichtetworden, so weist er hauptsächlich auf die grosse Einfachheit,ja bisweilen Nüchternheit der Gesamtanlage der Kirche wieder Details hin, die er — merkwürdigerweise — in Zusammen-hang bringt mit der Verschwendungssucht und dem Geld-bediirfnis des Cardinais. Dieser habe, um sich Geld zu ver-schaffen , Kirchen und Klöster aufgehoben und deren Gütereingezogen. Um aber das Murren des Volks, das hierübersich erhoben, niederzuhalten, habe er „einerseits das öffentlicheLeben durch die lebhafte Bauthätigkeit aufgeregt, andrerseitsin der kurzen Zeit von 3 Jahren ein mächtiges Bauwerk voraller Augen erstehen lassen.“ Was mit dem „Einerseits“ ge-meint ist, ist unklar, da in den Jahren 1520—23 von andernBauten des Cardinais in Halle nichts bekannt ist. Der Domaber sei zwar 1523 nicht vollendet, aber doch wenigstens seinöstlicher Teil unter Dach gewesen. Das Bauwerk habe soschnell als möglich des Cardinais Namen verherrlichen undnach etwas Grossem ausselien sollen, aber doch möglichstwenig kosten dürfen. Daher die Grösse der Kirche, aber auchdas schlechte Material der Mauern das in Bruchsteinenbesteht —, daher die Einfachheit, die geringe Erfindung, die
1) Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie, 5. Auf!. II (1885) S. 407.