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Auch ein andrer Umstand spricht, für eine späte Ansetzung:unsres Berichts. Der Schreiber desselben hat eine leicht vonandern unterscheidbare Handschrift, deren Züge mir zwar vomJahre 1537 an häufig begegnet sind, jedoch nicht früher alsin einer Beurkundung vom 23, Oktober 1536, wo sich derSchreiber nennt: Wolffgangus Keiner magister, Eistetisch(Eichstädtisch) bistumbs clericus, von kayserliclier gewalt offen-bar notarius 1 ).
Dies alles lässt den Herbst 1538 als Abfassungszeit unsresBerichtes zwar nicht als sicher erscheinen — denn der ständigeAufenthalt in Halle schliesst eine 6 bis 8wöchentliche odernoch längere Entfernung des Cardinais zum Besuch andererStädte der Magdeburger oder Halberstädter Diöcese, wohinsich Albreclit 2 Bauberichte hätte schicken lassen können, etwaim Jahre 1537, nicht aus —, doch erscheint dieses Jahr 1538als das wahrscheinlichste.
Alsbald jedoch erhebt sich eine neue Schwierigkeit. Auchin dem sogenannten „Kegenbericht“, welchen die Räte Albrechtsgegen die zu Hans Schenitz’ Verteidigung von dessen Bruderverfasste Schrift etwa im September des Jahres 1538 ausgehenHessen, ist die Kapelle erwähnt. In jenem „WarhafftigenBericht“ nämlich, in dem Anton Schenitz seinen Bruder ver-teidigte, war unter anderrn ausgeführt, dass Hans Schenitznur ungern das Baumeisteramt des Neuen Baus übernommenhätte und besonders sein Gewissen dadurch beschwert wordenwäre, dass er Kirchen und Klöster hätte abbrechen lassenund ihr Material zu „einem gemeinen Lusthaus und ad pro-phanum usum“ verwenden sollen. In dem „Kegenbericht“,
dessen Verfassern von einer derartigen Scheu und Gewissens-zartheit des Hans Schenitz vordem nichts bekannt gewesenist, wird auf jene Stelle des „Warhafftigen berichts“ bezuggenommen, indem es heisst: Anton Schenitz tadele auch „dieschöne herrliche Liberei neben der Kapelle daran“ 2 ). DieBücherei liegt alsoHTebeiTder Kapelle; doch welches Gebäude istunter der „Liberei“ zu verstehen? Da voller auf den herrlicherenWiederaufbau der niedergerissenen Kirchen hingewiesen wird,
1) Beglaubigung der Abschrift eines Briefes mehrerer Adeliger anAlbreclit, Mgdb. A., Erzst. Mgdb. II, 15.
2) Siehe Beilage 12.