72
Propst zuerst am 12. Februar 1534 vor 1 ), ebenso urkundet erals solcher am 15. November 1535, am 5. Februar 1536 undschliesslich am 22. Januar 1538 2 ). Um die gleiche Zeit, etwaim Februar 1538, wird er auch in einer Chronik, wie wirsahen, mit Crotus zusammen erwähnt. Cochlaeus giebt in einerseiner Philippischen Reden, die im Jahre 1544 erschien, an,dass „Michael Vehe praepositus Hallensis“ vor wenigen Jahrenim Herrn entschlafen sei 3 4 ). Vehe wird demnach als Stifts-propst sein Leben beschlossen haben. I)a wir am 26. August1539 Johann Saur als Propst vorfinden 1 ), so muss Velie’s Tod indie Zeit vom Anfang des Jahres 1538 bis zu diesem Terminfallen.
Vehe wird von den Zeitgenossen 5 6 ) als ein durch Gelehr-samkeit wie Frömmigkeit gleichemassen hervorragender Manngepriesen. Er begleitete die höchste akademische Würde: erwar Doktor der Heiligen Schrift 0 ). Uns ist er hauptsächlichbekannt durch die Herausgabe des ersten katholischen Gesang-buches im Jahre 1537, welches in unserm Jahrhundert Hoffmannvon Fallersleben neu ediert hat 7 ). Dies Büchlein scliliesst sicheng an die lutherischen Gesangbücher an. Neben selbständigenDichtungen finden sich, wie dort, Übersetzungen altkirchlicherlateinischer Hymnen und Umdichtungen von Psalmen undanderen Bibelstellen. Der Hauptdichter ist der HallescheRatsmeister Caspar Querhammer, ein treuer Anhänger desCardinais und hartnäckiger Vertreter der alten Lehre im
1) Dreyhaupt I S. 926 Nr. 287.
2) Siehe unten Abschnitt 5, Note 9. — Beilage 5 und Abschnitt 5,Note 2. — Halle Ratsarchiv Urkk. NK. XVII, 4, S. 246 (Original).
3) Philippica sexta Johannis Ooclüaei, Ingoist. 1544. Der Rede selbstsind 2 Abhandlungen über die Heiligenverehrung, die eine von Vehe (der10. Traktat der unten anzuführenden Assertio), angehängt, die der Heraus-geber der Stadt Köln widmet. In dieser Widmung cf. Blatt J 2 b.
4) Halle Ratsarchiv Urkk. NK. XX A. 1. S. 289 (Original).
5) Crotus in seiner Apologia, Cochlaeus an der eben citierten Stelle,sowie in seinen Commentaria, s. oben S. 69 N. 3.
6) In den Urkunden, die er als Propst ausstellt, nennt er sich immer:Michael Vehe, von gots gnadenn probst, archidiaeon und der heyligen ge-schryfft doctor.
7) Michael Vehe’s Gesangbüchlin vom Jahre 1537, das älteste katholischeGesangbuch, nach dem Exemplar der kgl. Bibi.' zu Hannover herausgegebenvon Hoffmann von Fallersleben, Hannover 1853. — Cf. auch Alhertz, derDom und die Domgemeinde zu Halle S. 16—20.