Geschichte der Heraldik. V. 2.
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geschlossen, so fest und unumstösslich begründet, wiedie Heraldik. Bei der Heraldik giebt es keine Ent-deckungen oder Erfindungen zu machen, keine Neue-rungen oder Verbesserungen anzubringen. Ihre Regelnstehen seit Jahrhunderten unerschütterlich fest, allge-mein anerkannt, von keinem Zweifler oder Tadler ange-fochten, gewissermassen versteinert, und wäre die Heral-dik nicht eine ganz unentbehrliche historische Hilfs-wissenschaft, so könnte man sie wegen ihres gänzlichenMangels an praktischem Nutzen füglich eine todte, eineunnütze und überflüssige Wissenschaft nennen,Gleichwohl giebt es selbst in unseren Tagen noch Viele,die sich aus Liebhaberei mit dieser Todten beschäfti-gen , namentlich durch die Anlegung von Wappen- undSiegelsammlungen - "
2. Capitel.Unsere Schatzgräber.
Während noch BenicJcen (in dem Artikel Heral-dik bei Ersch und Gruber) kein Mittel sah, der Wap-penwissenschaft aufzuhelfen, waren die echten Schatz-gräber bereits in Thätigkeit, welche durch die Erfor-schung von Kunst und Leben des Mittelalters die Mit-tel zu einer gänzlichen Umgestaltung und Erneuerungder Wissenschaft bereit stellten.
Christian Moritz Engelhardt machte schon 1818hei der Bearbeitung des Hortus deliciarum der HerradTon Landsberg') eine wichtige Entdeckung in Bezug aufdas heraldische Pelzwerk, die jedoch erst 50 Jahre spä-ter von dem Fürsten Hohenlohe für die Wappenwissen-schaft nutzbar gemacht wurde. Engelhardt schreibt:
„Alle Vornehmeren tragen einen,' der Chlamys ent-sprechenden Mantel, der gewöhnlich auf der rechtenSchulter durch einen breiten Metallknopf zusammenge-halten wird, die rechte Seite frey lässt, und bis auf dieWaden, bey weniger Vornehmen aber weniger tief her-abfällt ; hie und da, aber selten, ist er auch, statt aufder rechten Schulter, auf der linken oder vorne auf derBrust befestigt. Der Mantel ist bey Königen und Für-sten meist roth oder grün; doch sieht man ihn auch inandern Farben, ja selbst gestreift oder geblümt. DerMantel der Fürsten, und überhaupt aller ganz Vorneh-men, hat fast durchgängig ein weiss und bläulich, zu-weilen auch weiss und gräulich, selten weiss und bräun-lich buntes Futter, wo jedesmal die zwey Farben inmehreren Abwechslungen die Zeichnung der Eisenhüt-lein der Wappenkunde (bey den Franzosen vair) bilden;bey dem also gefütterten Mantel, worauf Herzog Attichkniet, ferner bey demjenigen, welcher den Krieger zumFalle von der Tugendleiter reizet, stehen am Kragendeutlich Haare hervor, was zuverlässig macht, dassdieses Futter Pelzwerk ist, und überhaupt zu Gunstender französischen Erklärung spricht, nach welcher einkostbares Pelzfutter den Anlass zu jener Wappenzeich-nung gab, während deutsche Heraldiker Sturmhaubendarin sahen. Nur ein Mal hat ein Mantel einen ähn-lichen Pelzstreif auf der Aussenseite. Die Tunik der
Superbia ist längs den Seiten des Obertheils mit Strei-fen eben jener Eisenhütlein geziert. . . .
„Fürstinnen und andere ganz vornehme Frauensind mit demselben Eisenhütlein bildenden Pelzwerk(vair) gefütterten Mantel, wie die Fürsten bekleidet."
Büsching hielt im Anfang der 20er Jahre „an derBreslauer Hochschule zu dreien Malen" Vorlesungenüber „Bitterzeit und Bitterwesen" die auch inBezug auf das Wappenwesen ganz neue Bahnen ein-schlagen und überwiegend aus dem Borne der mittel-hochdeutschen Dichtungen schöpfen. Die Vorlesungensind, mehrfach verändert und vermehrt im Druck er-schienen (2 Bände, Leipzig F. A. Brockhaus 1823. 8°).
Ein wesentlicher Fortschritt war die von Büschinggemachte Entdeckung bezüglich des Materials deralten Bitterschilde. Er schreibt S. 222,:
„Auch die Schilde, welche die Bitter trugen, warenmeist von Holz; ein eiserner Beif und ein Ueberzugvon zubereitetem Leder, auf dem man häufigst dasWappen des Besitzers fand, theils gemalt, theils auchaus Pelzwerk und dünnem H°l z e geschnitten und dar-auf befestigt, gab ihnen größere Festigkeit und einbesseres Ansehen."
Adolf Bitter von Wolfskron 2 ), welcher 1846 die Bil-der der Hedwigslegende herausgab, sagt ebenfalls:
„Eine durch ihre vielseitige Verwendbarkeit beson-ders vorzügliche Schutzwaffe war der Schild, ä. Spr.
schilt, tarczsche.....Er war meistens aus Holz mit
Leder oder Leinwand überzogen, worauf Sinnbilder ge-malt oder in erhabener Arbeit angebracht waren. Umdem Schilde mehr Festigkeit zu geben, umfasste manihn mit einem metallenen Beifen „schildesrant" undbrachte überdieß noch gewisse Spangen, Buckeln zu-weilen eine aus der Mitte desselben vorragende Spitzean. Nicht selten wurden die kostbarsten Metalle, jaselbst Edelsteine hiezu verwendet. Von jenen Schild-rändern wurden die Schilde selbst insgemein „rande"genannt."
Kurz vorher, im Jahre 1842, hatte der ArchivarDr. Landau in der Elisabethkirche zu Marburg dieseitdem berühmt gewordenen Originalschilde desMittelalters aufgefunden. Er schreibt *) über dieseEntdeckung:
„Beinahe sämmtliche Schilder lagen früher in einerEcke der Kirche übereinandergehäuft und ich fand siehier mit Schmutz und Staub bedeckt, als ich im Som-mer 1842 längere Zeit in Marburg weilte. Ich unter-nahm es dieselben nothdürftig zu reinigen und in derKirche aufzuhängen, und bei dieser Gelegenheit fandich auch jene beiden Schilder (die ältesten Schilder derLandgrafen) und wies ihnen als den interessantesten,eine Stelle im Mittelchore an. Von dem Schilde desLandgrafen Konrad von Thüringen gab ich aber auchschon 1843 eine Nachricht. Ich theilte in der Zeit-schrift des Vereins für hessische Geschichte und Lan-deskunde III. 396 die Schilderung mit, welche Herbordv. Fritzlar im Liede von Troja von dem thüringischen
1) Herrad von Landsberg, Aebtissin zu Hohenburg,oder St. Odilien im Elsass, im zwölften Jahrhundertund ihr Werk: Hortus deliciarum. Ein Beytrag zurGeschichte der Wissenschaften, Literatur, Kunst, Klei-dung, Waffen und Sitten des Mittelalters. Von Chri-stian Moritz Englhardt. Mit 12 Kupfertafeln in Folio.Stuttgart u. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buch-handlung 1818.
2) Die Bilder der Hedwigslegende. Nach einerHandschrift vom Jahre M.CCC.LIII. in der Bibliothekder Piaristen zu Schlackenwerth. Mit einem Auszugedes Originaltextes und historisch-archäologischen An-merkungen. Als Versuch eines Beitrages zur deutschenAlterthumskunde herausgegeben von Adolf Bitter vonWolfskron. Wien 1846. Auf Kosten des Matth.Kuppitsch k. k. Hof-Bibliothek-Antiquar-Buchhändler.
Imp. fol. mit 61 Bildertafeln in Farbendruck.
3) Correspondenzblatt des Gesaramtvereins 1858.