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Geschichte der Heraldik. V. 1.
Fahne von den Erahnen des Cölner Domes, am 20.März in Berlin von allen Staatsgebäuden, die Bürger-garde und das Volk schmückte sich mit dreifarbigenCocarden.
In Bonn wurde am 20sten März die Publikationdes Königlichen Patents vom 18. März durch einenfestlichen Umzug mit der schwarz - roth - goldenendeutschen Nationalfahne gefeiert, zu welchem dieBürgerschaft die Professoren Arndt und Dahlmann undden Geheimrath von Sybel abgeholt und in ihre Mittegenommen hatte. Als der Zug auf dem Stadthauseankam, übergab Professor Kinkel das deutsche Bannerin die Hände des Ober-Bürgermeisters Oppenhbff, wo-rauf Reden mit Hinsicht auf die Feier des Tages vonden Professoren Kinkel und Arndt gehalten und mitder größten Begeisteiung aufgenommen wurden.
Professor Arndt sagte u. A.
„Wie der Schnee des Alters meinen Scheitel be-deckt, so lag das-alte, heilige Reichsbannerlange wie mit dem Schnee und Schimmel der Jahr-hunderte bedeckt; seine Farben waren erblasst undergraut... das Grau soll wieder grün, das Verbleichtewieder glänzend werden: unser König und Herr hatdurch seine großen Königlichen Worte vom 18ten diesesLenzmonats versprochen, die weiland gepriesene Machtund Herrlichkeit des deutschen Namens soll unterdiesen heiligen Fahnen zu Glück, Ruhm und Siegwieder verjüngt und geeinigt werden. ..."
In einer Proclamation des Königs Friedrich Wil-helm IV. „An mein Volk und an die deutsche Nation"d. d. Berlin 21. März 1848 heißt es:
„Deutschland ist von innerer Gährung ergriffenund kann durch äußere Gefahr von mehr als einer Seitebedroht werden. Rettung aus dieser doppelten dringendenGefahr kann nur aus der innigsten Vereinigung derdeutschen Fürsten und Völker unter einer Leitunghervorgehen.
„Ich übernehme diese Leitung für die Tage der
Gefahr.....Ich habe heute die alten deutschen
Farben angenommen und Mich und MeinVolk unter das ehrwürdige Banner desdeutschen Reiches gestellt. Preußen gehtfortan in Deutschland auf."')
Eine Proclamation „an die deutsche Nation"besagt:
„Eine neue glorreiche Geschichte hebt mit demheutigen Tage für Euch an!
„Ihr seid fortan wieder eine einige große Nation,stark, frei und mächtig im Herzen von Europa!Preußens Friedrich Wilhelm IV. hat Sich, im Vertrauenauf Euren heldenmüthigen Beistand und Eure geistigeWiedergeburt zur Rettung Deuschlands an die Spitzedes Gesammt-Vaterlandes gestellt. Ihr werdet Ihn mitden alten, ehrwürdigen Farben deutscherNation noch heute zu Pferde in Eurer Mitte er-blicken. Heil und Segen dem constitutionellen Fürsten,dem Führer des gesammten deutschen Volkes, demneuen Könige der freien wiedergeborenen deutschenNation 1
„Berlin den 21. März 1848."
Ein Zeitungsbericht über die Ereignisse des 21.März erzählt:
, Gegen 11 Uhr erschien der König auf dem Schloß-hofe, an dem Eingange der Wendeltreppe. Se. Majestät
waren zu Pferde, trug die Uniform des 1. Garde-Regiments und den Helm, die deutschen Farben umdem Arm, umgeben von den anwesenden Prinzen undMinistern, Letztere in Civil, aber Alle mit den deutschenFarben geschmückt.
„Die hier anwesenden studirenden (?) Polen (!)hatten die Wachtdienst an der Post. Interessant wares, die jungen Leute mit der polnischen National-Kokarde an der Brust und mit der des deutschenBundes am Hute geschmückt, zu erblicken."
An den Kriegsminister erging an demselben Tagefolgende Weisung:
„Da Ich Mich ganz der deutschen Sache widmenund in der Theilnahme Preußens eine entschiedeneFörderung derselben erbicke, so bestimme Ich, dassdie Armee sogleich neben der preußischen die deutscheKokarde anzustecken hat. Das Kriegs-Ministerium hatdas Weitere zu veranlassen."
Friedrich Wilhelm.
Aehnliche Bestimmungen über den Gebrauch derdeutschen Cocarde seitens der Armeen wurden erlassen:in Braunschweig am 22. März; in Hamburg am 25.März, in Lübeck und Bremen am 29. März; in Bayernam 11. Juni.
In München wurde die dreifarbige Fahne am 30.März auf der Plattform der Feldherrnhalle aufgepflanzt;auf dem Wiener Stephanthurm (zwei Meilen sichtbar)am 2. April. Die Regierung in Luxemburg erließ eineFahnenproclamation am 3. April.
Am 5. April wurde von Augsburg berichtet:„Gestern sahen auch wir die deutsche Reichsfahnefeierlich aufgepflanzt an unserem herrlichen Rathhause,von welchem dieses Panier der Einigkeitseit 42 Jahren verschwunden war." (!) EinSchriftsteller, der bei dieser Gelegenheit — wie er ver-sicherte, unabsichtlich — den Hut auf dem Kopfebehalten hatte, wurde von lärmenden Haufen bis vorseine Wohnung verfolgt.
Wien, 9. April: „Die deutsche Reichsfahne weht,seitdem der Monarch sie ausgesteckt, in allen Strassen,an allen öffentlichen Gebäuden und auch der hoheAdel fängt nach und nach an, diese Fahne ebenfallsauszuhängen." *).
Mit begreiflicher Freude wurde die Tricolore vonden Deutschen im Auslande begrüßt, die bisher amschwersten unter der Zerrissenheit und äußeren Macht-losigkeit ihres-Vaterlandes gelitten hatten und in demSymbol das Unterpfand einer besseren Zukunft er-blickten.
Ich lasse hier einen Bericht aus Smyrna 3 ) vom5. Aug. 1848 folgen:
„Die hier wohnenden Deutschen hatten, um ihreAnhänglichkeit an das deutsche Vaterland zu beweisen,eine schwarz-roth-goldene Fahne anfertigen lassen, inder Absicht, das erste mit dieser Flagge in den Hafeneinlaufende deutsche Schiffe zu begrüßen. Am 25. Julikam das Dampfboot des österreichischen Lloyd vonTriest hier an, in Folge der Convention mit Albini diedeutsche Flagge auf dem Mittelmaste führend. Ineinem Nu waren die Quais mit Neugierigen gefüllt,
1) Allgem. Preuß. Zeitung. 1848. No. 88.
2) Allgemeine Preußische Zeitung 1848. No. 82.
3) Dagegen wurde ans Prag 18. Juni gemeldet:„Bereits vergangene Woche wusste man, dass zuPfingsten ein Krawall losgehen sollte, miuns Deutschen empörend um, Hunden gab
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