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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. IV. 4.

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hchsten Unterschied zwischen der französischen und«er deutschen Heraldik. In Frankreich sei der Helm-schmuck Tag für Tag veränderlich;, dort würden nurThiere oder gemeine Figuren gebraucht, während sichdas deutsche Wappenwesen gewisser Hülfsmittel bedieneUm auch die Heroldsbilder auf dem Helm anbringen zukönnen, z. ß. Luftwedel (i. e. Schirmbretter), Flügel.Endlich spricht er noch von Halskleinod.

Hink macht von den damals pnblicirt gewesenenRegelwerken einen fleissigen und guten Gebrauch.Auch giebt er auf einer Tafel die Abbildungen von'Siegeln Nürnbergischer Geschlechter meist aus dem« Jahrhundert. Hink entschuldigt die übelangebrachteGenauigkeit des Kupferstechers, welcher in den Siegelndie erst viel später erfundenen Schraffirungen ange-bracht habe und die bei Siegel-Abbildungen nicht statt-haben dürften, wenn sie nicht in den Siegeln selbstausgedrückt seien.

probe einet cerbefjerten Reraldic an bein tjod^ürftlicb,j}. e ff'fd?' unb Jjodjgräolicb'^anauifdjcn, fobantib,ut«ITtayn=HJTO« roie audj Bodjfürjilicb Oranienburg > Zlnspadjifcbenapen. 21nnebft (Einem Zlnrjange oerfdjiebener ilusbcffer-Ingen an benen Genealogtfiien Tabellen Ejm. 3°b,- I?üb'n«s. (Sicffen, Derlegts Job. Philipp Krieger 1728.

(3o 96 8)

Die Widmung hat der Verfasser mit seinem NamenJohann Georg Estor unterzeichnet. Estor ist 1699zu Schweinsberg bei Marburg geboren, war 1726 Docentder Rechte in Giessen, 1735 Beisitzer der juristischenfacultät in Jena, 1742 Professor der Rechte in Mar-burg, seit 1768 Kanzler; t 1773.

Der Verfasser macht sich eine Specialität daraus,die Regeln der Theoretiker zu bekämpfen. Er sagt:»wenn die Leute einmal auf eine solche Regel bauen,nehmen sie kein Bedenken, wol gar alle Monumente,"igilla und andere authentische Nachrichten zu taxirenund umzuwerffen; da doch umgekehrt vielmehr solcheRegeln umzustossen." Unglücklich urtheilt er indessu ber die oberste Farbenregel:

Bey dieser Gelegenheit bemercket der seel. HerrWeber, was massen aus gegenwärtigem HerssfeldischenWapen die bekannte und gemeine Regel derer Heral-disten, dass nemlich kein Metall auf Metall, sodann

»eine Farben auf Farben.....trefflich bestärcket

würde. Nun bin ich nicht in Abrede, dass alle Wapen-Erfahrne sothane Regul als eine außgemachte und ohn-»trittige Wahrheit anzunehmen, kein Bedencken tragen;wenn man sie aber auf den Grund untersuchet; so fälletderen Falschheit sogleich zu Tage. Denn wer sichnur die Mühe nehmen würde, das Kayßerliche oderLotharingische oder Savoyische Wapen anzusehen; derw ird, so bald er das Hierosolymitanische Wapen darinerblicket, die Unwahrheit nur besagter Regul ohne nach-dencken ersehen. Denn da ist ein Crücken-Creutz von§ o 1 d benebst noch vier kleinen Creutzen im silbernenFelde. Hiernächst streitet eben auch gegen die ange-gegebene Regul das Wapen des Probstes zu Elwan-gen . . . .«

Meditatio subseciva de aestimatione heraldica nota-i"um in Insignibus conspicuarum ad vindicandam dig-nitatem plurimarum gentium illustrissimarum atque insu pplementum lectionum heraldicarum propositaa Friderico Phüippo Schlossero LL. AA. M. et.Ampliss. Phil. Ord. in Acad. Vitemb. Assessor. Hano-verae, apud Nieol. Foersterum et filium M. DCCXXIX.(8° 144 S)

Friedrich Philipp Schlosser geb. 16. Septbr. 1701 in St.Q oar, wurde 1781 Prediger evangelisch-lutherischenGemeinde in Cassel t 17- Novbr. 1742. Neubauer 1 )

bemerkt:In der Heraldik soll er, wie man hier inGiessen sagt, sonderlich von dem Jüngern, nun auchschon verstorbenen Hrn. Professor Christoph LudwigRüdiger vieles gelernet haben."

Das Ergebniss seiner Erörterungen fasst der Autorin folgende Regeln zusammen:

1) Aus üer blossen Besichtigung der Wappen kannheute auf den adeliclien oder nichtadelichen Stand derInhaber ein sicherer Schluss nicht gezogen werden.

2) Der äussere Glanz und der in den Nebenstückender Wappen ersichtliche Schmuck der Wappen giebtdenselben keinen Vorzug vor denjenigen Wappen, diedieses Schmuckes entbehren.

Um falschen Auslegungen vorzubeugen, macht derVerfasser einige Vorbehalte bezüglich der Aemter- undWürde-Abzeichen, der ürdenszeichen und dergl.

3) Die Form des Schildes zeigt niemals einenhöheren Adel oder eine höhere Würde an, weil derGebrauch des Schildes stets willkürlich und mit keinerallgemeinen Vorschrift ausgerüstet war.

4) Die (aufrechte oder gelehnte) Stellung desSchildes gewährt keinen Vorzug; jedoch pflegt dieStellung unter sich (der gestürzte Schild) das Ausster-ben einer Familie anzuzeigen.

5) Nackte Schilde bezeichnen nicht immer eine An-wartschaft (i. e. Wartschilde), und nicht eine geringeresondern häufig eine höhere Würde.

6) Die Menge der Felder zeigt nicht immer einenVorzug an. Noch viel weniger hat eine Section vorder anderen eine höhere Werthschätzung voraus.

7) Der Anordnung der Felder kann nicht immerdie, Beurtheilung der ansehnlicheren Wappen entnommenwerden (d. h. wenn sie nicht nach dem Range derrepräsentirten Landestheile geordnet sind).

Die weiteren Regeln betreffen Gegenstände (mysticheAuslegung der Figuren nnd Farben) die schon vonSpener genügend abgethau waren.

(Einleitung 3ur Heraldic für bie 3use n & in Jrag unbZlntroort gefteüet; für (Erroadjfene aber mit 2Inmerfungerterläutert unb mit pielcn b,ter3» bienlidjen Kupfern unbttJapcn nerfeb,en. Zlufgefeftt non M. Sebaftian ^acob 3«n>genbres, Norimberg. öev p. <£ ITConatb, in Nürnberg.(Sebrucft bey mid)ael 21rnotb An. 1729. (80 240 S.)

Der Verfasser ist am 15. Mai 1765 zu Nürnbergverstorben.

Kostbar naiv ist die Art und Weise, in welcherJungendres das Entstehen seiner Schrift schildert:Wann ich demnach gleichfalls melden soll, was michzu gegenwärtiger Arbeit bewogen, so kann ich keineals eben diejenige Ursach angeben, welche fast zuallen meinen bey etlichen Jahren edirten Schrillten dieGelegenheit suppeditirt, nemlich, das Verlangen desVerlegers, welcher mir schon manches zu elaborirenaufgetragen, woran ich vor der Zeit nicht vielgedacht; davon ihnie aber noch wenig zur Maculaturworden, ob ich gleich oft selbst an dessen Ab-gang gez,weiffelt habe. Mit gegenwärtiger Arbeithat es bey nahe eben diese Beschaffenheit, angesehenich mir das Studium heraldicnm vor dieser Occa-sion niemals sonderlich anbefohlen seinlassen." Trotzdem ist das Werk nach dem damaligenStandpuncte der Heraldik recht gut gelungen. DerVerfasser hattehöheren Befehl" erhalten,die Sachenach Nothdurft auszuführen damit man das Buchauch in Schulen brauchen könne." Zum Aus-wendiglernen für die Jugend waren insbesondere diehieroglyphischen Verse" bestimmt, um solche Hoch-adeliche Wappen (der damaligen Mitglieder des Nürn-

1) D. E. Fr.Neubauer, Nachricht von den itztlebenden

Evang.-Luth. u. Ref. Theologen. Züllichau 1743. 4»S. 331.