Geschichte der Heraldik, IV. 2.
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stich bei, so dass man sein Werk ein nach Bildern ge-ordnetes Wappenbuch nennen kann.
Petra Sancta bezeichnet die Wappen als Geschlechts-Michen, durch eine passende Darstellung sichtbar ge-macht (expressas idoneo lumine), sowohl zur Unterschei-dung der Familien, wie zum Schmucke dienend. Zeichenw«rden sie genannt, um ihre Wirkung im Allgemeinen,Geschlechts zeichen um ihre Wirkung im Besonderendarzuthun. Idoneum lumen drückt aus, dass sie ent-weder mit Farben und Metallen gemalt, oder in unbe-lebte Stoffe, Marmor, Holz, Erz gegraben sind.
Der Verfasser giebt u. A. folgende Wappenregeln,die er als Heroldsgesetze (Fecialium leges) bezeichnet:
1. Wenn zwei lebende Wesen in einem gespaltenenSchilde gegeneinander gewendet sind, so sollen sieFarbe und Metall wechseln; das Thier von Metall istiß das linke Feld von Farbe nach rechts gewendet zus etzen; das Thier von Farbe in das Feld von Metall.
2. Die Wappenbilder dürfen in der unteren Spitzedes Schildes den Boden nicht berühren, sondern müssenm ihrem eignen Schwerpuncte hängen.
3. Die Wappeubilder dürfen nicht schwächlich,träge und ihrer heroischen Bedeutung beraubt sein.
4. Sie müssen in der Körperhaltung gemalt wer-den, in der sie am meisten die angeborene Kraft zuzeigen scheinen.
5. Von menschlichen Figuren sind allein die mau-titanischen Hermen (Rumpffiguren) oder Theile einesanderen menschlichen Körpers zulässig.
6. Wenn der Schild eine Mehrzahl von Figuren ent-hält, so gehören in den unteren Platz stets weniger alsm den oberen.
7. Kleine Adler und Amseln (Merletten, merulae)sind ohne Füsse und Schnäbel; aber die Adler selbstund die grösseren Vögel sind mit Füssen und Schnäbelnversehen.
8. Die Wappenbilder dürfen mit den Familien selbstn icht gleichnamig sein; welche Bilder das Volkredende Wappen (arma cantantia) nennt.
Theodor Höpingk.
Einen bedeutenden Fortschritt in dieser Richtung,Doch dazu ohne wahrnehmbaren Einfluss der neuerenitalienischen und französischen Autoren, hat TheodorBöpingk gemacht.
Theodor Höpingk geb. zu Soest in Westfalen1591, kam 1027 als Professor der Geschichte und Be-r edtsamkeit nach Marburg, wo er die juristische Doctor-^ürde erwarb. Im J. 1635 begab er sich nach Frank-furt am Main und nahm sodann das Syndikat zu Fried-berg an, wo er am 7. März 1641 verstorben ist. 1 ) Nachder Vorrede hatte er sein wappenrechtliches Werk imFebruar 1639 vollendet. Leider hat er das Erscheinendesselben nicht mehr erlebt, da es erst 1642 unter fol-gendem Titel ans Licht kam:
De insignium sive armorum prisco et novo jureTractatus juridico-historico-philologicus : in quo digni-tatis, militiae, gentis pontificalia, imperialia, regia,electoralia, archiducalia (etc. etc.) insignia, horum ap-Pellationes variae : descriptiones : genera : origines :causae -. occasiones ': personae deferendi ea facultatePpllentes, vel minus : modi acquirendi : Glypei, scuta :jmagines : Colores : Metalla : Galeae, earumque Orna-tes : Coronae : Cristae : Alae : Sustentacula . . . (etc.e to. etc.) eruuntur, discutiuntur et enodanter : auctore
. 1) Strieder, Friedr. Wilh., Grundlage zu einer hes-sischen Gelehrten- u. Schriftsteller-Geschichte Bd. 6.Hassel 1786) S. 59.
Theodoro £}8pingf Susatensi Westphalo J. U. D., Impe-rialis Caesareique apud Friedbergenses Castri Advocatoet Syndico . Noribergae, typis et sumptibus Wolf-gangi Endteri MDC.XLII. fol. 1050 S.
Höpingk theilt die Schwäche seiner Vorgängerin Bezug auf die Kunde der Geschichtsquellen, aberweit voraus ist er ihnen in der gründlichen Durchführ-ung eines wohldurchdachten echt wissenschaftlichenSystemes. Er berücksichtigt alle wappenähnlichen Ab-zeichen und Attribute, ohne sie jedoch mit den Wappenzu vermischen. Er ist der erste deutsche Autor, wel-cher eine sachliche Bestimmung des Begriffes Wappenaufzustellen versucht. Es lag ausser dem Bereich der Mög-lichkeit, dass er alle Fehler seiner Vorgänger, nament-lich auf dem Gebiete der Wappensymholik vermeidenkonnte. Es darf jedoch gesagt werden, dass sein Werknicht bloss für die Geschichte der Wissenschaft vonBedeutung ist, sondern dass es eine Fülle von Materialenthält, welches für die Wissenschaft selbst nutzbargemacht werden kann.
Es möge nun eine möglichst abgekürzte TJebersichtdes Inhaltes folgen.
Prooemium
Cap. I. De variis insignium sive armorum appel-lationibus et quid illa sint?
Cap. IL De distributione insignium multifaria
§. 1. de publicis et privatis signis et insignibus.
§. 2. de realibus et verbalibus insign. et. sign.(Titel; hieroglyph. Symbole).
§. 3. de sacris et politicis sive profanis s. et. i.
§. 4. de politicis insignibus quibusdam realibus om-nium famofifsimis, veluti : Benevolentiae, et ObsequiiPapalis : Jurisdictionis et Imperii : Venationis : Liber-tatis et Nobilitatis : Ingenuitatis et Servitutis : Infa-miae et Ignaviae : Investitutae : Militiae et simili-bus aliis.
§. 5. de insignibus dignitatis universalis et singu-laris ac illis, quae gentis sive gentilitia dicuntur ingenere.
§. 6. de dignitatis ecclesiasticae insignibus, Diva-libus Pontificalibus et Ordinum tarn Religiosorum quamNon-religiosorum.
§. 7. de dignitatis secularis insignibus veluti : Re-giis, Imperatoriis, Electoralibus, Ducalibus, Triumpha-libus et Heroicis.
§.8. de dignitatis singularis insignibus, vulgoWappae dictis in genere.
§. 9. de gentis sive gentilitiis insignibus.
§. 10. de communibus et propriis insignibus.
§. 11. de nobilium et plebejorum ins.
§. 12. de reliquis insignium speciebus.
Cap. III. De insignium sive armorum proprie siedictorum prineipiis et originibus, discussione, cum con-trariorum conciliatione.
Cap. IV. De causis et occasionibus infignium ingenere.
Cap. V. De causis et occ. ins. in specie.
Cap. VI. De his quibus jus deferendi insignia pri-mario tarn suo, quam alterius nomine competit: Et deiis, qui ab insignium delatione arcentur.
Pars prima: de pontificis maximi, archiepiscopo-rum, cum primis electorum ecclesiasticorum, episcopo-rum, magistri ordinis Teutonici et abbatum insignibus.
Pars seeunda: de imperialibus insignibus aquilaromana.
Pars 3.: de regum et regnomm mundi praeeipuo-mm insignibus.
Pars 4.; de electorum S. R. Imperii secularium in-signibus.