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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 3.

sich heider eheleuth acht anen, so zusammen sechtzehensein, miteinander uf form unnd mass, wie es in denthurniern gebreuchlich, Herr Friederichs acht anen mitMargarethen acht anen, ist lieblich zu sehen."

Pfalzgraf Ludwig der Bärtige lieh im J. 1428 vondem Abt von Maulbronn 1400 fl. und bestellte ihm alsFaustpfand mehrere Becher und Kleinode seiner Frau,Mechtild von Savoyen l ). Unter den Bechern sind meh-rere mit Wappenschmuck z. B.

Item einen guldin becher, auch franczoscher forme,und ist jnnewendig darjnne ein gegrabener schilt, dar-jnne stet in dem halben schilt oben ein lewe und nndenBeyern, das ander halb teil des Schildes ist mynerfrauwen Wappen, und ein guldin deckel darczu, derjnneist auch ein gegrabener schilt, halp Pfaltze und Beyern,und das ander teile myner frauwen schilt zusehenzweyn bustaben L und M und wygent becher und deckelzwo mareke minner ein quinset, dut hundert siebenund zwenezig gülden."

Ein Becher aus vergoldetem Silber im Besitze derStadt Leoben in der Steiermark, mit der Jahreszahl1708, dem Wappen der Stadt Augsburg und den Worten4 Pfund 13 Loth" bezeichnet, hat gemäss demLeobener Stadtwappen die Form eines Straussen 2 ).

Ueber die Verwendung der Wappen zur Aus-schmückung von Steingut - Fabrikaten schreibt J. B.Dornbusch:

Ein auf Krügen vielfach angewandter Schmucksind bekanntlich die Wappenbilder. Man findet aufden Steingutfabrikaten des Niederrheins Wappen derverschiedenen Länder und Regenten, dann auch Städte-,

Zunft- und Adelswappen. Die Wappen.....sind in

der Regel durch Jahreszahl und Namen der Inhabernäher bestimmt.

Aus einem Zunftbriefe (der Siegburger Ulnerznnft)ergiebt sich, dass die Magistrate der Städte und dieEdelleute für ihren Bedarf bei den Siegburger Töpfernmitunter grössere Partien von Steingut zu bestellenpflegten, dabei ihre Wappen im Bilde einsandten undbestimmten, wie die Krüge mit denselben sollten ver-ziert werden. Diejenigen Meister, welche mit solchenAufträgen zumeist beehrt wurden, führten den Namenherrenwerkluide und erfreuten sich besonderer Privi-legien" 3 ).

Adolf Herr zu Gyninich führt 1597 Klage beimfreiadelichen Scbeffengerichte gegen den UlnermeisterDaniel Vlach, weil derselbe eine bei ihm-bestellte An-zahl von Krügen nicht mit dem ihm damals, sondernmit einem anderen 7 Jahre früher eingesandten unddatirten Wappenbilde der Familie von Gymnich ausge-schmückt habe. Er verlangt Zurücknahme der über-sandten und Lieferung der bestellten Waare *).

Wappenschmuck war auch für Erzeugnisse derKüche, für Kuchen, Waffeln oder Zuckeroblatengebräuchlich. Die betr. Wappen wurden in das Waf-feleisen eingegraben. Einige Oblaten-Eisen aus dem16. Jahrh. mit Wappendarstellungen sind von A. Essen-wein im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit1877 No. 9 abgebildet.

In Frankreich wurden die Urkunden des Mit-telalters nicht selten mit Wappen geschmückt. Theilswerden dieselben neben der Unterschrift als be-kräftigendes Zeichen verwendet; z. B. trägt

das Testament desEduardus dominus Bellijoci" (Edu-ard, sire de Beaujeu, marechal de France (f 1352) ne-ben der Unterschrift einen Helm mit Doppelflug.

Auf dem Codicill zu seinem Testamente vom J.1347 setzt er zu seinem Namen ein nichtheraldischesZeichen. Von den Zeugen setzt Guillelmus de Molonemiles, seinen Wappenschild unter die Unterschrift, Hugode Marziaco, miles', einen Brackenkopf, vielleichtauch ein Wappenbild.

Auf dem Testamente des Antoine, sire de Beaujeu(t 1374) vom 12. Mai 1369 steht neben der Unterschriftdes Ritters Johannes von Theliz ein Wappenschild, ne-ben der des zweiten Zeugen, Jean de Chales ein Helmmit Zimier.

Noch häufiger findet sich das Wappen in dieInitialen der Urkunden verflochten.

Die Initialen eines Heirathsvertrags zwischen demHerzog Jean de Berry und der Jeanne de Boulognevom 5. Juni 1389 bildet folgende Darstellung: EineFrau und ein Mann, einander gegenüberstehend reichensich die rechte Hand, ober und unter den Händenstehen die Wappenschilde der Brautleute u. s. w. »).

Das Papier trug häufig ein Wappen als Wasser-zeichen).

Die Rathsprotokolle der Stadt Ravensburg in Schwa-ben besagen:

Am 9. Mai 1544 hat ein Rath den Papierern all-hier zu Schornreute und auf der Federburg (bei Itten-beuren) sagen lassen, dass sie das Papier eben schlechtund flüssig machen, dass sie sollten gedenken, dassel-bige besser zu machen, denn ein Rath könne es längernicht gedulden, sondern werde strengst strafen. Aufsolches haben die Papierer angezeigt, man mache allent-halb Papier, mit dem Ochsenkopf gezeichnet, daherbitten sie den Rath, man wolle ihnen als Zeichen einenoder zwei Thürme gestatten, das sie darauf zeichnenlassen ; sie wollen gutes Papier machen, daran der Rathein Gefallen haben werde. Das hat ein Rath zugegebenund bewilligt: auf das gute Papier zwei Thürme undauf das mindere einen Thurm zeichnen zu dürfen."

Ein Decret des Königs Friedrich II. von Preusseuvom 8. März 1749 zu Breslau, an sämtliche Land- undSteuer-Räthe Schlesiens und den Magistrat von Breslau 7 )besagt:

Nachdem Wir zum Besten der inländischen Papier-Mühlen allergnädigst resolviret, dass kein anderes alsin Unserm Schlesien [und Grafschaft Glatz verfertigtesPapier bey denen Immediat- und Mediaten Landes-Instantzien, Aemtern etc. gebrauchet werden solle."

Den Papier-Mühlen sei

Namens Unserer anzubefehlen, ihre Einrichtungdergestalt zu machen, dass vom lten des anstehendenMonat Junii in allen Sorten des von ihnen verfertigtenPapiers, der Schlesische Adler, mit dem Namendes Orts und der Jahrzahl, wo und wann es fabriciretworden, gesetzet werde. In Ermangelung dieser an-befohlenen Zeichnung soll das Papier nicht allein beykeinem Königl. Landes-Collegio etc. gebrauchet, sondernvor ausländisch Papier angesehen und mit denen ge-wöhnlichen Accise-Imposten beleget werden."

1) Mone's Anzeiger f. K. d. t. Vorz. 1838 S. 312.

2) Abgebildet in den Mittheilungen d. k. k. Cen-tralcominission N. F. XIII. S. LXIX.

3) Herold 1870 S. 48.

4) Nach einer Urkunde im Kirchenarchive Sieg-burg, erwähnt von J. B. Dornbusch im Herold 1870ö. 48.

5) Musee des Archives nationales (Paris 1872). 4»passim.

6) Vergl. hierüber beispielsweise:

Albrecht Dürers Kupferstiche, Radirungen, Holz-schnitte und Zeichnungen, unter besonderer Berücksich-tigung der dazu verwandten Papiere und deren Was-serzeichen, vom Oberbaurath B. Hausmann. Mit einemHolzschnitt und acht Tafeln Abbildungen der Wasser-zeichen. Hannover, Hahn'sche Hofbuchh. 1861. 4».

7) Schlesische "Edicten-Sammlung.