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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 3.

welcher auch die kunstreichen Wappen im Saal zuInnsbruck gefertigt hatte, Mass and Plan und forderteeinen Ueberschlag. Derselbe Hess sich in einem Berichtan die Innsbrucker Regierung wie folgt, vernehmen:Darauff thue Ich B. H. vnderthäniklich zuuerne-men, das Ich nach antzaigung hiepeiligender Fisierungals auf das negst vberschlagen ain Stuck in das anndervmb funff gülden und neher nit zu machen, In Bedenk-ung das In Jedes stuck ahveg drey schildt komen vndder kr. Mt. etc. Erplandt Wappen fast als lewen Adlervnd ander thier sein, die vast alle aussgezogen miessenwerden. Darüber dann warlich fil arwait vnd vnkostengeet vnd die gesellen so zu solicher arwait daugenlich«ein, Jetz bey denen filfeltigen kriegsleiffen hart zubekomen vnd zu erhalten sein, auch das glass vnd anderzeig darzue gehörig auch vast theur darzue zu beko-men . . ." Nach mancherlei Verhandlungen wurde mitMeister Dax ein Preis von 4'/^ Gulden für jedes Wap-pen vereinbart. Am 21. März 1555 lieferte er die Ar-beit an die Innsbrucker Regierung ab mit einem Be-richte, in dem es heisst:

Und dieweil Ich aber an gemelten Stukhen, mitAusziehen, Malen vnnd Schmelzen als mit wappnern,geheis vnd Columa mer zier als Ich jn meinen verge-benen fisirung angezaigt hab. So pin Ich vnderthenigerhofnung E. G. Als die hocliuerstendigen werden mirvon Ainem Stuckh funff gülden nicht abprechen, dannIch furwar ain merers daran verdient hette" etc. DieRegierung bewilligte durch Beschlnss vom 2. Aprildiese Forderung. Den Ensisheimern muss das Werksehr gut gefallen haben, da sie sofort nach Empfang derFenster durch Sehreiben vom 30. Juli 1555 Verhand-lungen einleiteten um auch die andern Stuben ihresRathhäuses mit Wappen auszuschmücken, i)

Sehr ausgebildet war die Sitte der Fensterschenkungin der Schweiz 2) wo seit dem Ende des 15. bis zumEnde des 17. Jahrhunderts öffentliche und privateBauten mit geschenkten Fenstern, die das Wappendes Gebers trugen, ausgestattet wurden Die StadtZürich schenkte die Fenster: 11 auf seine Landschaft(Territorium) hinaus; 2) mit anderen Ständen zusammenin die gemeinen Herrschaften; 3) den TJnterthanen undAngehörigen; 4) als Glied der Tagsatzuug, wenn einMitstand oder einer der zugewandten Orte baute;5) als Schirmherr oder Kastvogt an Klöster.

Das Stift Pero-Münster verehrte allen jenen, die ihrZins und Zehnten leisteten,Schild und Fenster in dieNeubäue, das war Grundsatz; sie vergabte aber auchhonoris causa in alle neuen Kirchen und Kapellen undin die Häuser der Vornehmen zu Stadt und Land Glas-schilde mit dem Stiftswappen. 3)

Die Zünfte schenkten an die Schwesterzünfte amgleichen Orte, an die entsprechende Zunft anderwärts,an die Bauten der anderen bürgerlichen Collegien undGesellschaften der Stadt (Schützengesellschaften u. s.w.), oder etwa in das Privathaus ihrer Vorsteher.

Die Schenkungen der Privaten theilen sich in solche

1) Anton Emmert in Innsbruck in Mones Anz. f.K. d. d. Vorz. 1837 S. 485.

2) Vergl. das hochinteressante Werk: Die Schwei-zerische Sitte der Fenster- und Wappenschenkung vomXV. bis XVII. Jahrhundert. Nebst Verzeichnis derZürcher Glasmaler von 1540 an und Nachweis nochvorhandener Arbeiten derselben. Eine eulturgeschicht-liche Studie von Dr. Hermann Meyer. Frauenfeld,J. Huber 1884.

Ferner: Ueber schweizerische Glasgemälde. VonDr. J. B. Bahn Anzeiger für Schweiz. Alterthumshunde1869 S. 50 ff.

3) Anzeiger f. Schweiz. Alterthumsk. 1880. S. 83.

in das Privathaus und solche an öffentliche Bauten.Erstere bewegen sich in dem Kreise der Verwandten,Freunde, Gönner und Clienten, Collegen, Vereinsgenossen.Der zweite Theil der Schenkungen geht in Kirchen,Klöster, Gemeindehäuser. Der Beruf dafür ergiebt sichdurch Nachbarschaft, Amt, Familientradition. Dahingehören z. B. der Landvogt, der Nachbar-Gerichtsherr,der Pfarrer, der Adel in der Umgegend eines Klosters,

Die Stadt Zürich hielt sich gemalte Fenster inverschiedenen Grössen und Formen vorräthig; der Ver-walter des Bestandes war der Grosswaibel oder obristeKnecht (als der solche Wappen uff miner HerrenGeheiss usszutheilen by Händen hat")

Zu erwähnen sind ferner die Fussb odenfliesseund die Ofenkacheln.

Im Pester Museum und im Germanischen Museumzu Nürnberg befinden sich interessante Fussboden-Fliesse 4 ), von denen das eine den böhmischen Löwen nachlinks gewendet enthält, mit der Umschrift:LEB . PINICH . KENANT . MICH . TREIT . DERCVNENC . VVN . PEHEM . LANT.

No. 502.

Das zweite Fliess enthält den böhmischen Löwennach rechts gewendet, so dass sich beide Darstellungenanblicken, und respondirt auch in der Umschrift, welchelautet:

t DAS . GEWELT . MIR . WOL . DER . CUNEHC .IST . CANCIR . TVGENT . WOL .

Fürst Hohenlohe hat im Anz. f. K. d. d. Vorz.(1875 S. 8 ff.) einige Fliessen aus Rothenburg ob derTauber mitgetheilt, darunter zwei mit dem Wappender Schmiedezunft aus der Mitte des 16. Jahrh.

Zur Zeit des Kampfes des Hauses Habsburg gegen

4) Mittheilungen der k. k. oest. Centralcom. f.Baudenkmale VII S. 49. XVII. S. 22. Obige Abbildungverdanke ich Sr. Exellenz dem Herrn Freih. v. Helfert.