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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 3.

so wie sich auch an den Penstern die beiden Wappenin Glasmalerei erhalten haben.

Bey den Schlossern wird (so sagt Jablonskie) einzierlich ausgefeiltes, bisweilen geädertes, blau angelau-fenes, durchbrochenes oder genebenes auch verzinntesBlech, welches das Schlüsselloch und den Drücker oderdie Klinke verzieren muss, ein Schild genennet." DieseSchilde werden häufig mit Wappen verziert.

Ein solches Schlossschild (37 cm. hoch und 26 cm.breit) welches »ich früher in der Kirche zu Hall inTyrol befand, ist mit den in Eisen geschnittenen Wap-pen des Ritters Florian Waldauf (f 1510) und seinerGemahlin Barbara Mitterhoferin geschmückt i)-

Georg Christoph Preih. v. Schallenberg«)(um 1600) tadelt die Sparsamkeit, welche den lebhaftenSchmuck der Wappen allmählich abkommen lässt:

Fehrners, so sollen alle vnd jede Adeliche Leutnicht so thorecht sein, dass Sye aus alten iren zeitlichenVermögen offt 50 fl. spahren vnd Ihnen khein Monu-ment machen lassen, khainer solls nach seinem Todtspahren, jeder soll Im in seinem Leben ein Grabsteinvnd jeder all seinen KUndtern, Brüedttern, Freindtenein Grabsteinl machen lasssn, denn ess ist ein schlech-ter Unkosten vnd ein sehr schöne Gedechtnuss, dessgleichen wan einer in seinem Leben Bilter, in die Kür-chen lest machen, solle er allezeit die Wappen darzuemachen lassen, auch in die Schlösser, Zimmer, Fenster,ein solch Haus ist lieblicher, anmuettiger vnd ange-nehmber, Verschenkht vnd verspielt manicher vil mehr,also ein solche schönne Gedechtnuss kosten mechte,sonderlich lob vnd liebe ichs, wan mans bey alten Stam-heussern thuet, wie ichs auch angefangen habe.

Viertens, so ist ein schöne annembliche Sache, derfreundte Biltnuss und Contrafet soll kheiner nichtshierin Ersparen, sondern alle zehn Jahr sich, sein Weib,Kinder, Brieder abmallen lassen vom einem gueten Mah-ler, Es koste, was es wöll, den vill hundert Guldenwollt ich geben, vmb meiner lieben Voreltern Bilter.Es ist ein schöne Kurzweill vnd Zierdte in alte Heusser,wan man bey jedem sein Wappen, alte Gestald, Nam-men vnd etwas dabey zu was er Lust gehabt, aufge-merkht findt."

Häufig werden die Wappen der Verwandten, derLehnsleute oder der Kriegsgenossen in den Sälen derHerrenhäuser an die Wänder gemalt, eine noch indas 13. Jahrh. zurückführende Sitte:

In Pleier's Garel (ca. 1280) lässt Eskilabön dieSchilder der von ihm besiegten Ritter zum Gedächtnissin'einem Saal aufhängen:

5396 Eskilabön der wilde

der gevangen ritter schildehiez üf sinen palasder schoene unde wit wasalumbe hähen an die walltdar obe man geschriben vantder ritter namen und ouch ir art,von welhem lande dar.ir vartnach äventiure was getanund wie sie der werde manGärel mit strite erloeset hat.

1) Mittheilungen der k. k. Centralcommission N. F.X. S. XXXI.

2) Hausbuch der Schallenberg (Angelegt von GeorgChristoph Freiherrn von Schallenberg um 1600) Abge-druckt in J. v. Hormayr's Taschenbuch für die vater-ländische Geschichte. Nene Folge. VHI. Bd. (Leipzig1837). S. 221 ff.

an den schilten man ouch sach

iesliches wapen lieht gevar

die schilte hienc er durch daz dar,

swenn ieman fremder koeme dar,

daz er naeme der schilte war

und ouch da bi erkande

die küenen wigande

die in daz laut durch prise riten.

und nach äventiure striten.Meister Altswert beschreibt die Burg derKaiserin"Venus im GedichteDer Kittel":

Ich gieng furbaz an die ander want.

Do was mir vil wafen bekant

Die ganz da warn gemalet der.

Diz ducht mich ein wunder mer.

Ez bracht mir wunderlichen velm.

Ich sach menigen schilt und heim,

Die ich han gesehen uff der ban

Die ich vil wol genennen kan

Wan sie uzerwelt sint.

Ich was nach worden starreblint

Allerhant Waffen sach ich do.

Ich gedachte in minem sinne so:

Diz sint herren, ritter, knecht.

Ein ieglich man sol tuon recht,

So wirt er gemalet in den sal.In ähnlicher Weise liess Landgraf Wilhelm vonHessen den grossen Saal seines Schlosses Rotenburgmit Wappen schmücken. Hermann Fabronius schreibt1621 in der Vorrede zu Wessels Wappenbuch:

Solcher massen vnd beneben andern auch aus ob-erwehnten Vrsachen hat zweifelsohne auch der durch-leuchtige . . . Wilhelm weyland Landgrave zu Hessen.... vnsers annitzo . . . Regierenenden lieben LandsFürsten Herrn Moritzen .... geliebter Herr Vatterdiese Wapen ihrer Fürstlichen gnaden angehörigenPürstenthums, Graffschafften, Herrschafften, Gräflichenvnd Adelichen Lehenleuten vnd Städten, der weytbe-rühmten Landgrafschaft Hessen in J. F. G. Schloss zuRotenbergk an der Fulda in dem grossen Saal ange-ordnet vnd abmahlen lassen, dass sie im Gedächtnusvnd Augenschein bleiben solten: Aus welchem Saal siedann abgezeichnet vnd gerissen, auch von J. F. G.Buchtrucker zu Cassel, Wilhelm Wessel in Holtzgeschnitten, vnd in diss kleine Format als ein bequemesWapenbuch ... in Druck bracht."

Nachdem das Reichskammergericht im J. 1539 zuWimpfen seinen vorübergehenden Sitz genommen hatte,wurden 1540 auf dem dortigen Rathhaus die Wappender Cammerrichter, Amtsverweser und Beisitzer ange-malt. Im vorigen Jahrhundert war dieses Gedächtnissnoch vorhanden').

Ein handschriftliches Geschlechterbuch der StadtZürich meldet s.a. 1545:Hans Asper ward Zwölfer byder Meysen vf Johannj, er waß ein verrümpter vndkunstreycher Mahler, wie es die Leuwen vf der Rethen-stuben, It. die 12 Zeichen an S. petters thurn vnd an-ders bezuget. Er starb 1571."

Ueber die Zechstube zu Bruneck schreibt Freih. v.Czoernig:

Die Trinkbrüder in Bruneck suchten den Ort ihrerZusammenkünfte mit Fresko-Malereien zu verzieren,welche die Wappen der einzelnen Theilnehmer mit denvon ihnen gewählten Trinksprüchen darstellten, so wiesie auch symbolische Anspielungen auf den nächstenZweck ihrer Versammlung enthielten. Letztere zeigtensich theils in den verschiedenen Attributen, welche alsTrinkgefässe aller Art oder als Fass, Weinstock oder

1) Pistorius, Amoenitates I. S. 482.