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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. III. 3.

65 Verworcht in künsten fchmitten

Vil manig margaritten

Darynn find verkaftet

Der fchein doch plaich vor glastet

In dem fchilt darunder.70 Prynnt in lobes fewres lunder.

2. Capitel.Die WainicnbeHHeriiintHfuicht.

Da auch in den Wappensachen so ziemlich jedePerson ihren eigenen Geschmack hat, so kann es unsnicht Wunder nehmen, wenn wir sehen, dass bei vielenFamilien mit dem Erbwappen fast von Generation zuGeneration Aenderungen vorgenommen werden, die derjeweiligen Wappenmode entsprechen, oder auch nur derNeuerungssncht, der Lust zu Abwechselung ihren Ur-sprung verdanken. Diese Erscheinung ist dem deut-schen Wappenwesen von Anfang an eigenthümlich. DieRadicirung der Wappen (vergl. S. 279) trat allerdingsdiesen Gelüsten hemmend in den Weg: willkürlicheWappenänderungen hätten unter den dermaligen Ver-hältnissen wichtige materielle Interessen gefährdenkönnen. Man musste sich daher bemühen das ersehnteWappen unter den Formen eines Rechtsgeschäftes, durchSchenkung, Erbschaft, Kauf oder Belehuung zu erlan-gen. Indess vermochte dieses Auskunftsmittel nichtjedes stille Sehnen zu befriedigen, - erst die Neuerungder Wappenbriefe seit etwa 1400 (um eine runde Zahlzu haben) räumte jedes Hinderniss aus dem Wege.

Als der Prototyp einer nach neuen Wappen gieri-gen Familie dürfen die E b e r s t o r f in Oesterreich an-gesehen werden. Als Abkömmlinge der von Hindbergführten sie ursprünglich das redende AVappen desStammgeschlechtes eine Hindin (Hirschkuh) auf einemschrägen Dreiberg. Darauf folgt ein dem Lothringen'-s«hen ähnliches Wappen: ein Schrägbalken mit dreiAdlern, zuerst im Siegel des Rudolf von Eberstorf vomJ. 1007. Derselbe Rudolf führt in seinem Helmsiegelvon 1310 zwei Flügel, sein Bruder Reimprecht 1327einen, mit einer Kugel besetzten Hut. Später führtauch Reimprecht zwei gelbschwarz getheilte Flügel aufdem Helm und geräth darüber in einen Wappenstreitmit Georg Zändel (1341). 1399 lässt sich Hans v. Ebers-torf von Herzog Albrecht von Oesterreich mit demWappen der Streitgreun (schwarz-gelb getheilter Schild ;auf dem Helm zwei ebenso getheilte Flügel) belehnen.Sein gleichnamiger Sohn führt schon 1400 ein Einhornim Schilde, das Wappen der Meissau, zu dessen Erbenihn Otto von Meissau 1435 in aller Form einsetzt. K.Friedrich IV. bestätigt zu Neustadt am 15. Febr. 1441dem Hanns von Eberstorf obersten Kämmerer in Oester-reich , die Freiheit, dass er und seine Leibserben desNamens von Eberstorf mit rothem Wachs siegeln under, wie auch sein Vetter, Sigmund von Eberstorf undihre eheliche Erben das Wappen der Grafen von Tier-stein führen mögen, welche Freyheiten ihnen K.Sigmund gegeben und K. Albrecht bestätigthatte. Dieses Wappen der Grafen von Thierstein er-blicken wir im Siegel des Benesch von Eberstorf vomJ. 1503, mit dem Einhorn quadrirt. Auf dem Schildführt er zwei Helme. Die Söhne des Genannten wur-den 1543 in den Grafenstand erhoben. In dem gräf-lichen Wappen, erscheinen auf dem quadrirten SchildTier Helme. Weiteren Aenderungen machte das balddarauf erfolgende Erlöschen des Geschlechtes ein Ende ').

1) Vergl. die vortreffliche Abhandlung: Die Wap-pen der Herren von Eberstorf von M. M. v. Weitten-hiller im Jahrbuch II des Adler S. 109 ff. Chmel,Reg. Frid. I, 25.

Die meisten Wappenherren hielten glücklicherWeise das von ihren Ahnen überkommene Wappen dochzu hoch in Ehren, um so gröblich mit ihm umzugehen,mit die Eberstorfer. Vielen genügte es in Schimpf-wappen (d. h. Scherzwappen) ihren Witz spielen zulassen, die auch im Wappenwesen nichts Neues waren,die mit dem Familienwappen nur eine ganz äusserlicheAehnlichkeit haben und demselben keine Concurrenzbereiten.

Die erwähnten Schimpfwappen machten sichnamentlich auf den Provincial- und Gelegenheits-Tur-nieren breit. Wenn hier die echten Wappen überhauptnoch Verwendung finden, so sind sie das Nebensäch-liche, Hinzutretende.

Man mnss berücksichtigen, dass an diesen Kampf-spielen von vornherein nur bekaunte Persönlichkeitentheilnehmen konnten. In diesen engen Kreisen mussteman hemüht sein, die Festspiele durch Abwechselungzu beleben. Die hergebrachten Familienwappen ent-sprachen diesem Zwecke nicht mehr, an ihrer ehrwür-digen Unantastbarkeit mussten Laune und Witz, dieeine persönliche Beziehung zwischen dem Träger unddem Wappenschmuck herzustellen bestrebt waren,Schiffbruch leiden.

Die Mode erforderte es einmal, für jede Gelegen-heit ein neues Abenteuer zu ersinnen. Es war diessdas einzige Mittel, die Eintönigkeit und Langeweileaus den veralteten Festspielen zu verbannen.

In einem alten, von dem Grafen Wurmbrand (coli.S. 172 ff.) theilweise publicirten Manuscripte ist dasGewand beschrieben, welches K. Maximilian I. bei ver-schiedenen Ritterspielen trug:

Folgen auffgezeichnet unterschiedene Renneu undRitterspiel, welche Kayser Maximilian der Erstein eigener Person mit Hrn. Wolff gangen, Freyherrnvon Polheym, verrichtet hat.

Zu Wien.

Darnach hat die Künigl. Majestät gerennt, mitHerrn Wolffgangeu von Polheim, in einer roth, grünvnd weissen Sanuneten Teck, und auff dem Hut zweyOehrlein von derselben Färb, darzwischen ein ver-guldten Stern, und haben gerennt, die Schweiffer seyndweit gefallen, die Künigl Majestät über den Rückenmit fambt dem Pferdt, und der von Polheim frey ledighinweg, der Königlichen Majestät Holtz in drey Stückdas ander in zwey Stuck gebrochen.

Darnach stach die Künigl. Majest. ein Kampff-Gestech mit Herrn YYolffgangen von Polheym in gantzgrünen Zentl, aufm Helm ein grün Mayen-Krantz vonLaub, fiel Königl. Maj. allein.

Mehr rennt die Königl. Majest. mit Herrn Wolff-gangen von Polheym fest angezogen, in einer roth,braun und weißen Attlafen Decken, aufm Helm zu jeg-licher Seiten ein weisse Straußen-Feder, seynd beydeSpieß zerbrochen, Königl. Majest. befeßen und der andergefallen.

Darnach rannt die Königliche Maj. mit HerrnWolffgang von Polheim, in gefchifften Zeug, und gantz.gülden Gelieger, aufm Hut ein Straußenfederbusch, be-faßen beyde.

Mehr hat die Königliche Maj. ein Wälifch Gesel-len-Stechen in einer gantz blauen güldenen Deck, aufmHelm ein verguld Dendl-Gehiern.

Zu Gent.

Mehr hat die Königl. Maj. mit Herrn Wolffgangeuvon Polbeim gerennet im gefchifften Zeug und gemahl-ten Gelieger, aufm Hut ein aufgerechten Straußen-Fe-der-Busch, und feynd beyde geseßen. . . .